Michael Ondaatje: Katzentisch

Drei Teenager Michael, Ramadhin und Cassius machen sich 1954 per Schiff auf die Reise von Ceylon nach Großbritannien. An Board landen sie am "Katzentisch", dem Tisch, der am weitesten vom Kapitän weg ist und damit für die niedrigste gesellschaftliche Stellung steht. Die drei Jugendlichen freunden sich schnell an und erkunden mit der Neugier und Offenheit von Kindern die Mitreisenden. Viele ihrer Erlebnisse prägen die drei ihr Leben lang, obwohl sie auf ganz unterschiedliche Weise ihr Leben in England angehen.

Ramadhin ist ein sensibler und vorsichtiger Asthmatiker, auf den in London sehnsüchtig seine Familie wartet. Er entwickelt sich zu einem warmherzigen und klugen Erwachsenen, der bereits als Student stirbt. Cassius hingegen ist ein Draufgänger und unabhängiger Geist. Dies beweist er nicht nur an Board, sondern auch in seinem späteren Leben als gefeierter Maler. Der Erzähler des Romans, Michael, repräsentiert eher den braven Typen. Aus ihm wird ein unbeständiger Freund, gescheiterter Ehemann und berühmter Schriftsteller.

Eindringlich und einfühlsam beschreibt Ondaatje die Reise der drei Teenager von Asien nach Europa und zeichnet so ein Bild der verschiedenen Gesellschaftsschichten der 50iger Jahre. Zudem begleitet er Michael auf seiner Reise durchs Leben, zeigt seine Hoffnungen und Enttäuschungen, schildert aber auch das emotionale Versagen des angepassten Mittelstandes im heutigen England.

"Katzentisch" ist ein leicht zu lesendes und dennoch starkes Stück Literatur.

Hanser Verlag ISBN

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George Orwell: Tage in Burma

Wer lieber Romane als Geschichtsbücher liest, dem sei zum Thema Burma der Klassiker von George Orwell "Tage in Burma" ans Herz gelegt.

80 Jahre ist es her, dass George Orwell seinen Dienst als britischer Offizier in Burma quittierte und beschloss, Schriftsteller zu werden. Ein guter Entschluss, schließlich bescherte er uns unter anderem die "Farm der Tiere" und "1984". Ebenso lesenswert ist auch sein Roman über Burma, in dem er seine Erlebnisse als Offizier seiner Majestät verarbeitete.

Schonungslos, humorvoll und zuweilen boshaft schildert er in seinem Roman die britischen Bewohner eines burmesischen Provinznestes in den 20iger Jahren. Rassismus, Selbstverliebtheit und Langeweile prägen das gesellschaftliche Leben dieser kleinen Gemeinschaft. Ob Offiziere, Geschäftsleute, Ehefrauen oder auf Ehemänner hoffende junge Damen - sie alle bekommen ihr Fett von Meister Orwell weg. Ein starkes Stück Weltliteratur, dass federleicht zu lesen ist und über Großbritannien mindestens so viel verrät wie über Burma.

Diogenes Verlag AG Zürich ISBN 9783257203080

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Thant Myint-U: Burma – Der Fluss der verlorenen Fußspuren

"Burma: Der Fluss der verlorenen Fußspuren - Eine persönliche Geschichte" so nennt Thant Myint-U sein schwergewichtiges Buch über die Geschichte Burmas. Das Land ist derzeit in aller Munde, scheint sich doch die Militärdiktatur langsam demokratischen Ideen zu öffnen. Grund genug, mehr über dieses Land zu erfahren.

Thant Myint-U ist Historiker und Enkel des ehemaligen UN-Generalsekretärs U-Thant. Er beschreibt die Entwicklung Burmas vom selbstständigen Königreich über die britische Kolonialgeschichte bis hin zur heutigen Militärdiktatur. Kenntnisreich, spannend und sprachlich fesselnd wirkt sein Werk eher wie ein Roman als ein Sachbuch. Auf unterhaltsame Weise gewährt er so Einblicke und Einsichten in eine - zumindest mir - weitgehend unbekannte Region. Unbedingt lesenswert.

C. Bertelsmann Verlag 2009, ISBN 9783570011010

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David Guterson: Ed King

"Schnee, der auf Zedern fällt" war ein Weltbestseller und ein Meisterwerk von David Guterson. Meine Erwartungen an sein jüngstes Werk "Ed King" waren entsprechend hoch.

Der Roman beginnt 1962. Walter, ein Versicherungsmathematiker, muss seine kleinen Kinder versorgen während seine Frau mit Depressionen in der Klinik liegt. Ein minderjähriges Au-pair, Diane, soll ihm dabei helfen. Walter und Diane beginnen ein Verhältnis, das abrupt endet, als Walters Frau aus der Klinik entlassen wird. Diane ist schwanger und erpresst Walter für den Rest seines Lebens, obwohl sie das Kind aussetzt. In den folgenden Jahren heiratet sie einen reichen Mann. Der entdeckt ihre Lügen und Betrügereien, so dass er sich von ihr scheiden lässt. Um nicht in Armut abzugleiten, wird sie Drogendealerin. Trifft aber dann einen Märchenprinzen, einen jüngeren, unglaublich reichen Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlt.

Ihr ausgesetztes Baby wird von einem wohlhabenden, kinderlosen Paar adoptiert und heißt fortan Ed King. Er gerät vor lauter Protest gegen die bürgerliche Welt der Eltern auf die schiefe Bahn. Ein Unfall, den er als junger Mann nachts betrunken verursacht, führt zum Tode des Unfallgegners. Ein Weckruf für Ed, der sich ab sofort dem Aufbau seiner Karriere widmet. Er wird einer der größten und reichsten Internetunternehmer der Welt. Schließlich verliebt er sich in eine ältere Frau, mit der er viele Jahre verheiratet ist. Mit über 50 gelingt es ihm eher zufällig alle Schicksalsfäden seines Lebens zu verknüpfen. Ed hat bei dem Unfall seinen Erzeuger getötet und die Frau an seiner Seite ist seine leibliche Mutter. Klingt kitschig. Ist es aber nicht.

David Guterson gelingt es, an Hand der drei Menschen - Mutter, Vater, Kind - den amerikanischen Mittelstand und seine Vorstellungen von Glück und Moral zu skizzieren. Wobei das Glück hier für die Erfüllung des amerikanischen Traums von Wohlstand, Ansehen und bürgerlicher Sicherheit steht. Egoistisch und skrupellos verfolgen alle drei ihre Ziele. Sie erlangen zwischenzeitlich auch traumartige Zustände, doch am Ende bleibt nichts als Betrug, Schmerz und Einsamkeit.

Der Roman ist gewohnt brilliant geschrieben. Die Lektüre packt einen und doch fehlt mir dieses letzte Quäntchen, das "Schnee, der auf Zedern fällt" ausgemacht hat.

Hoffmann und Campe ISBN 9783455403626

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Irena Brežná: Die undankbare Fremde

Ganz und gar dankbar bin ich über die Entdeckung des schmalen Bändchens "Die undankbare Fremde" von Irena Brežná, einer slowakisch-schweizerischen Schriftstellerin.

Die Ich-Erzählerin schildert die Erlebnisse von Flüchtlingen, die 1968 aus der Slowakei entkommen und in der Schweiz aufgenommen werden. In Rückblenden beschreibt sie die Zustände in der alten Heimat, die Diktatur und die Gewalt, die auf den Prager Frühling folgte. Irena Brežná erzählt aber auch von der zweiten Heimat. Indem sie ihre Hauptfigur - eine Dolmetscherin - begleitet, begegnet der Leser Flüchtlingen und ihren Schweizer Nachbarn, Ärzten oder Beamten. So beleuchtet die Autorin die latente Fremdenfeindlichkeit hinter der freundlichen Maske und die Angst, zu teilen in der Wohlstandsgesellschaft. Hinzu kommen die tausenden geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, die nicht gebrochen werden sollten. Nicht zuletzt, weil die wohlmeinenden Nachbarn die Fremden beobachten und deren Regelverletzungen an die Ämter berichten. Die Überwachung in der Freiheit, die Kälte in der reichen Gemeinschaft und die Überheblichkeit gegenüber den Fremden weckt den Widerspruchsgeist der Dolmetscherin. So wird sie zur undankbaren Fremden.

Das kleine Buch hat es in sich. Es ist sprachlich sowie politisch überzeugend und unbedingt empfehlenswert.

Verlag Galiani Berlin ISBN 9783869710525

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Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt

Die junge Autorin Olga Grjasnowa legt mit ihrem Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ ein erstaunliches und lesenswertes Werk vor.

Ihre Hauptfigur, Mascha, stammt aus Aserbeidschan. Als Kind macht sie dort traumatische Erfahrungen durch den Konflikt zwischen der aserbeidschanischen Mehrheit und der armenischen Minderheit. Ihre jüdische Familie sitzt buchstäblich zwischen den Stühlen der verschieden Bevölkerungsgruppen. Mit 11 Jahren ziehen sie und ihre Eltern nach Deutschland. Dort nimmt Mascha nach dem Abitur ein Studium als Übersetzerin in Frankfurt am Main auf und träumt von einer großen Karriere bei der UNO.

Der Leser begegnet zunächst der begabten, hoffnungsfrohen und verliebten Mascha, die mit ihrem Freund Elias zusammenlebt und einen wunderbaren, multikulturellen Freundeskreis hat. Alles ist scheinbar gut. Wären da nicht die Albträume, die sie immer wieder an den Krieg in Aserbeidschan erinnern und die sie nicht mit ihrem Freund teilen will. Ein harmloses Fußballspiel führt zu einer schweren Verletzung und dem plötzlichen Tod von Elias. Ein Ereignis, das Mascha völlig aus der Bahn wirft. Schließlich macht sie sich auf die Suche nach sich selbst und auf dem Weg nach Israel. Dort begegnet sie israelischer Gewalt an Palästinensern. Mit welchen Folgen für Mascha oder ihre Freunde erfährt der Leser nicht. Hier endet das Buch.

Olga Grjasnowa hat am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig ihr sprachliches Handwerk erlernt. Das Leipziger Literaturinstitut steht seit der Friedlichen Revolution für eine ganze Reihe spannender und begabter Autoren. Autoren, die nicht nur sprachlich auf höchstem Niveau agieren, sondern auch inhaltlich in die Tiefe der menschlichen Seelen und politischen Abgründe vordringen. In dieser Tradition steht auch Olga Grjasnowa. Auch ihre Romanfiguren sind eingebettet in politische Strukturen, die die Autorin versucht aufzuzeigen. Hier sehe ich allerdings auch die einzige Schwachstelle des Romans. Auf mich wirkt gerade die politische Einschätzung Israels zu flach, zu wenig differenziert. Der Blick ist hier eher auf die Gräben zwischen Israelis und Palästinenser gerichtet als auf den Brückenbau zwischen beiden Parteien. Da gehen Romane wie „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ von David Grossmann oder Zeruya Shalevs „Für den Rest des Lebens“ sehr viel reifer, tiefer und wertschätzender mit den am Konflikt beteiligten Menschen um.

Carl Hanser Verlag ISBN 978344623854

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Maria Barbal: Inneres Land

Maria Barbal: Inneres LandLiterarische Auseinandersetzungen mit den Eltern oder einem Elternteil sind populär, haben wir doch alle so unsere Kämpfe mit unseren Erzeugern auszutragen.

Maria Barbal konzentriert sich in ihrem Roman "Inneres Land" auf ihre Mutter. Die Tochter skizziert als Ich-Erzählerin eine verbitterte, lebensunfrohe Mutter. Ständig scheint diese etwas an der Heranwachsenden auszusetzen zu haben. Zärtlichkeit und Lob sind Mangelware in ihrer beider Verhältnis. Die Tochter sucht Anerkennung und Liebe außerhalb des Elternhauses. Aber je mehr sie sucht, desto weniger wird sie fündig.

Erst aus dem Abstand ihres Erwachsenseins kann sie sich vorarbeiten in das innere Land ihrer Mutter, in die Verletzungen und Demütigungen aus der Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit entstanden sind. Denn der Großvater wurde im Zuge des spanischen Bürgerkrieges von den Franquisten ermordet und die gesamte Familie im Dorf als Außenseiter behandelt. Die ganze Verantwortung für das wirtschaftliche Schicksal der Familie übernahm damals die Mutter, die selber noch ein Teenager war.

Wer sich für die spanische Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, wird hier fündig. Barbal schildert eindringlich den Einfluss der Geschichte auf die Persönlichkeitsstrukturen. Allerdings gelingt es ihr nicht durchweg, auf 386 Seiten Spannung zu erzeugen.

Transit Buchverlag 2008, ISBN-10: 3887472330

Foto: Ruth Justen

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Maarten ‘t Hart: Der Schneeflockenbaum

Maarten 't Hart: Der SchneeflockenbaumEr hat es wieder getan. Maarten 't Hart liefert auch mit seinem jüngsten, auf Deutsch erschienen Werk "Der Schneeflockenbaum" ein stilles Meisterwerk ab.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Jungs, der Ich-Erzähler und Jouri. Beide sind in den Niederlanden der 50iger Jahre Außenseiter. Der Ich-Erzähler sondert schon im Kindergartenalter gigantische Darmwinden ab und Jouri ist der Sohn eines Kollaborateurs. Zudem sind sie sehr begabte Schüler. Aus den beiden Außenseitern werden Freunde für das Leben. Doch die Freundschaft ist nicht ungetrübt. Jouri verliebt sich grundsätzlich in die Freundinnen des Erzählers. Und er belässt es nicht beim Verliebtsein, er spannt sie dem Freund auch aus, bis der scheinbar einen Weg findet, Jouri von seinen Frauen abhalten zu können.

Leise, leicht und dennoch tiefgründig erzählt Maarten 'Hart über die Bedeutung von Freundschaft, über lebenslange Lügen in der Liebe und die bigotte, niederländische Nachkriegsgesellschaft.

Piper Verlag 2010, ISBN-10: 3492046347

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Marion Brasch: Ab jetzt ist Ruhe

Ein DDR-Kunstfunktionär als Vater und drei begabte, nach Freiheit strebende Künstler als Söhne - kein Wunder, dass sich die einzige Tochter diesen Stoff von der Seele schreibt. Mit ihrem Debütroman "Ab jetzt ist Ruhe" gelingt Marion Brasch ein berührendes Porträt ihrer extrem talentierten DDR-Künstler-Familie.

Die Eltern von Marion und ihren drei Brüdern sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus den englischen Exil nach Ost-Berlin gezogen. Der Vater - ein überzeugter Kommunist - wird immerhin stellvertretender Kulturminister der DDR. Seine Kinder hingegen rebellieren mehr oder weniger stark gegen seine strikte Auslegung des Kommunismus. Der älteste Bruder verlässt sogar die DDR. Mit jeder öffentlichen Auflehnung der Kinder fällt der Vater ein Stück mehr in Ungnade des Regimes. Dennoch bleibt er bis zuletzt überzeugt, dass die DDR für eine gerechte Gesellschaftsordnung steht.

Die Autorin wächst als Jüngste von vier Geschwistern auf. Ihre drei Brüder sind jeder auf seine Art außergewöhnlich begabt. Thomas und Peter Brasch feiern als Schriftsteller und der mittlere Bruder Klaus als Schauspieler Erfolge. Marion bleibt immer die kleine Schwester, um deren Gunst sich alle drei Brüder streiten, und doch wird sie nie ganz ernst genommen. Eine nicht ganz einfache Familienposition für Marion, die umso schwieriger ist, als die drei Brüder mehr und mehr selbstzerstörerische Züge erkennen lassen. Alle drei können aus ihrer Kreativität keinen dauerhaften Lebensmut gewinnen und verfallen zunehmend ihren Süchten. Und so beerdigt die Autorin ein Familienmitglied nach dem anderen.

"Ab jetzt ist Ruhe" ist in zweierlei Hinsicht ein reizvoller und berührender Roman. Zum einen gewährt er eine Innenansicht in die Brüche innerhalb der DDR-Gesellschaft. Marion Brasch urteilt nicht, sie beschreibt die Leiden und Freuden einer Gemeinschaft, die doch mal alles besser machen wollte. Zum anderen schildert der Roman die Geschichte einer ganz besonderen Familie, reich an Begabung und scheinbar arm an Glücksgefühlen. Marion Braschs Buch "Ab jetzt ist Ruhe" ist allerdings kein literarisches Meisterwerk.

S. Fischer Verlag ISBN 9783100044204

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Wolfgang Herrndorf: Sand

Das Wort Sand weckt in mir viele Bilder: Die Weite und unbeschreibliche Schönheit der Wüste, unerträgliche Hitze bei Tage oder eisige Kälte in der Nacht, und unendlich viele Gefahren, die im Sand lauern. Wobei die meisten Gefahren für den Menschen selbstverständlich von Menschen ausgehen. Alle diese Bilder beschwört Wolfgang Herrndorf in seinem neuen Roman "Sand" herauf.

Er schildert die Irrungen und Wirrungen seiner Hauptfiguren in der Wüstenoase eines nordafrikanischen Staates im Jahr 1972. Korrupte Polizisten, skrupellose Spione und heilssuchende Kommunenmitglieder sind teils bewusst, teils unbewusst verstrickt in die Weltpolitik. Einige bleiben im Wüstensand auf der Strecke, andere werden unbeeindruckt weiter machen. Mehr darf ich nicht verraten, denn "Sand" ist vordergründig ein ungemein spannender Krimi.

Dahinter aber seziert Herrndorf die politischen Landschaften des Jahres 1972, kurze Zeit nach dem Anschlag palästinensischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft in München. Keiner kommt dabei gut weg: Nicht die Touristen aus aller Welt, mit ihren wohlmeinenden aber flachen Analysen der Weltpolitik, auch nicht die sympathischen, aber korrupten Polizisten in Nordafrika und schon gar nicht die Spione für eine "gute" Sache.

Mehr noch als der Krimiplot oder die Gesellschaftskritik beeindruckt mich die Sprache Herrndorfs. Nichts scheint ihm unbeschreiblich zu sein. Er hat eine so reiche, mächtige Sprache wie nur wenige andere deutschsprachige Autoren der Gegenwart. Kein Wunder, dass er zu den Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2012 gehört.

P.S.: Inzwischen hat er den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2012 gewonnen.

Rowohlt Verlag 2011 ISBN 9783871347344

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