Sonja Herter: Weißblende

Das schmale Bändchen "Weißblende" von Sonja Harter steht auf der fünf Titel umfassenden Shortlist des Bloggerpreises "Das Debüt". Folgerichtig durfte ich als Jury-Mitglied das Buch lesen. Allerdings gehört "Weißblende" zu den Büchern, die mich ratlos hinterlassen. Weiterlesen ›

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Katharina Winkler: Blauschmuck

Zugegeben, ich bin spät dran. Die meisten meiner Bloggerkollegen haben schon vor Monaten von Katharina Winklers Debütroman "Blauschmuck" geschwärmt. Lange lag das Buch auf dem Stapel der Bücher, die irgendwann mal dran sein sollten. Wie gut, dass es das Projekt "Das Debüt" gibt. Als Mitglied der Bloggerjury darf ich mich durch die Shortlist lesen. Und siehe da, von den fünf Titeln kannte ich bis dato nur einen. Weiterlesen ›

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Christopher Kloeble: Die unsterbliche Familie Salz

Ein perfekter Start in die Buch-PR: Das Hotel Fürstenhof ist jedem Leipziger und vielen Reisenden ein Begriff. Wenn der Urenkel des Unternehmensgründers am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ein Studium absolviert und die eigene Familiengeschichte in den Mittelpunkt eines Romans stellt, ist das der Stoff, aus dem PR-Träume gemacht werden. Weiterlesen ›

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Miljenko Jergović: Vater

Miljenko Jergovićs Betrachtung über seinen Vater und sein Vaterland Kroatien reiht sich nahtlos in meine jüngste Lektüre von Literatur aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens ein. Drei wunderbare Leseerlebnisse verdanke ich dieser Weltgegend: Andrej Nikolaidis „Der Sohn“ aus Bosnien-Herzogowina/Montenegro, Goran Vojnović „Vaters Land“ aus Slowenien und eben Miljenko Jergović „Vater“ aus Kroatien.

Der bekannte kroatische Autor (Das Walnusshaus) Miljenko Jergović widmet dieses Buch seinem Vater, einem Krankenhausarzt aus Sarajewo. Zeit seines Lebens hatte der Schriftsteller ein eher distanziertes Verhältnis zum Vater, der seine Mutter kurz nach der Geburt des Sohnes verlassen hatte. Doch das war nicht der Grund für die Distanz. Sein Vater konnte wohl keine Nähe oder gar Liebe zum Sohn aufbauen, obwohl er ein besonders liebevoller und aufopferungsvoller Arzt war. Als Arzt zeigte der Vater Haltung und behandelte ehreamtlich die ländliche Bevölkerung um Sarajevo. Diese Haltung bewies der Vater insbesondere in den Jahren des Zusammenbruchs Jugoslawiens und in den darauf folgenden Kriegsjahren. 

Eindrucksvoll schildert der Autor, wie lebenswichtig plötzlich in dem atheistisch geprägten postkommunistischen Staaten der Zusammenhang von Religion und Nation wurde. Weil sein Vater sich propagandistisch nicht auf das Spiel der neuen nationalistisch-kroatischen Machthaber einließ, wurde er als Serbe „verunglimpft“. Als Serbe wahrgenommen zu werden, konnte einem Todesurteil gleichkommen.

Auch der Autor erlebte diese Form der Diskriminierung. Er wurde nie getauft. Nach seiner Flucht aus dem belagerten Sarajewo ins „freie“ Zagreb musste er aber nachweisen, dass er Kroate ist. Und als einziger Nachweis galt die Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche. Ohne Taufe erhielt er keinen kroatischen Pass und somit keine rettende Aufenthaltsgenehmigung für Zagreb.

Miljenko Jerković wirft einen bitteren Blick ins 20. Jahrhundert seiner Heimat und einen versöhnlichen auf seinen Vater. Unbedingt lesenswert! 

Schöffling & Co. 9783731760634

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Heinz Strunk: Der goldene Handschuh

Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder, steht im Mittelpunkt von Heinz Strunks Roman „Der goldene Handschuh“. Warum widmet man einem Mörder, der seine Opfer bestialisch gequält hatte, ein Buch? Und warum sollte man ein solches Werk unbedingt lesen? Weil Heinz Strunk Fritz Honkas Taten nur zum Anlass nimmt, die Gewalt, die in der Hamburger Stadtgesellschaft der 70er-Jahre herrscht, aufzuzeigen.

Der goldene Handschuh heißt die Stammkneipe von Fritz Honka. Die Kneipe zieht die kaputtesten Nutten, Alkoholiker und sonstige Abgestürzte magisch an. Aus diesem Pool rekrutiert Fritz Honka seine Frauenbekanntschaften. Sie alle haben keinerlei Hoffnung, Perspektive oder auch nur Willen mehr und so lassen sie sich auf ihn und seine brutalen Erniedrigungen ein. Er fordert die totale Unterwerfung von ihnen. Wann immer er es schafft, für längere Zeit mit einer Frau zusammenzuleben, „enttäuscht“ sie ihn früher oder später. Sobald die Frauen die totale Unterwerfung verweigern und sie nicht rechtzeitig verschwinden können, ermordet und verstümmelt er sie.

Heinz Strunk hat keinen Sozialroman voller Verständnis für den Täter geschrieben. Er beschreibt lediglich die kaputten Gestalten, die die Stadt bevölkern. Zum Personal des Romans gehört daher auch die Unternehmerfamilie von Dohrens mit Wilhelm Heinrich dem Ersten (79), Kriegsverbrecher und daher im Ruhestand, Wilhelm Heinrich dem Zweiten (57), der aktuell die Geschicke der Firma leitet, und Wilhelm Heinrich dem Dritten (17), der in der schlimmsten Phase der Adoleszenz steckt. Oder der Rechtsanwalt Karl von Lützow, Bruder von Margot von Dohrens (52), erfolgreich, alkoholkrank und süchtig nach schnellem käuflichen Sex.

Ob unten oder oben auf der gesellschaftlichen Leiter: Das Personal in Heinz Strunks Roman ist durch und durch krank, kaputt und kalt. „A Pain in the Ass“ sind der Stoff und das Werk selbst. Entsprechend schmerz- stellenweise sogar qualvoll fällt die Lektüre aus. Für diese grandiose Darstellung der tiefen menschlichen Abgründe lohnt die Lektüre dennoch. Warum hat dieses Werk 2016 keinen der wichtigen Preise erhalten? God knows. 

Rowohlt Verlag ISBN 9783644050815

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Willem Frederik Hermanns: Die Dunkelkammer des Damokles

Länderschwerpunkte in Frankfurt oder Leipzig lassen uns immer wieder literarische Schätze heben. Ein solcher Schatz ist Willem Frederik Hermanns „Die Dunkelkammer des Damokles“. Bis zur Vorstellung des Ehrengastprogramms der Frankfurter Buchmesse 2016 glaubte ich mich in den Gefilden niederländischer und flämischer Autoren zumindest der älteren Generation auszukennen. Weit gefehlt. Harry Mulisch und Cees Nooteboom preisen im Klappentext den Einfluss Willem Frederik Hermanns auf die niederländische Literaturszene. Grund genug für mich, ein Werk von ihm aus den unzähligen Neuerscheinungen auf dem deutschen Markt auszuwählen.

Im Mittelpunkt des Romans steht Henri Osewoudt. Der junge Mann wächst bei der Familie seines Onkels auf. Eher aus Not, weil sich keine andere Frau für ihn interessiert, heiratet er seine Cousine und übernimmt den Tabakladen seines Vaters. Ein unbedeutendes und unglückliches Leben, so jedenfalls empfindet der Protagonist das.

In der Zeit der Besatzung der Niederlande durch die Wehrmacht bekommt sein Leben eine überraschende Wendung. Er wird von einem niederländischen Offizier im Widerstand um Hilfe gebeten. Mehrmals beteiligt sich Henri an „Aktionen“, also Ermordungen von vermeintlichen oder tatsächlichen Verrätern und Kollaborateuren.

Das Unwohlsein über die eigenen Taten wächst im Laufe der Jahre. Nach Kriegsende misstrauen ihm die Befreier. Zudem ist sein "Führungs"-Offizier unauffindbar.

Was hat Henri wirklich getan? Welche Ziele hat der Offizier mit den Aktionen tatsächlich verfolgt? Wie viel Geltungsbedürfnis stand hinter den Taten? Wer stand auf der sogenannten richtigen Seite?

Willem Frederik Hermanns hat mit „Die Dunkelkammer des Damokles“ einen Klassiker über die untrennbaren Verflechtungen von Gut und Böse geschaffen.  

Aufbau Verlag ISBN 9783 351036577

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Bettina Baltschev: Hölle und Paradies – Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur

Täglich hören wir in den Nachrichten von türkischen Schriftstellern, die verhaftet werden oder von türkischen oder ungarischen Medien, die geschlossen werden. Schriftsteller und Journalisten im Exil - dieses Thema ist leider wieder brandaktuell und geographisch nah. Mit großer Spannung habe ich daher Bettina Baltschevs Buch über die deutsche Exilliteratur in den Niederlanden aufgeschlagen. Und ich wurde nicht enttäuscht.  Weiterlesen ›

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Diane Broeckhoeven: Was ich noch weiß

Die flämische Autorin Diane Broeckhoeven legt mit ihrem Roman „Was ich noch weiß“ ein berührendes Mutter-Sohn-Porträt vor. Weiterlesen ›

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Donal Ryan: Die Gesichter der Wahrheit

Irland ist für die meisten von uns die grüne Insel, die uns Butter, Käse und Milch von glücklichen Kühen und Schafen liefert. Irland entwickelte sich in den 90er Jahren aber auch als Standort internationaler Unternehmen, die einen europäischen Sitz brauchten, um ihre Produkte und Dienstleistungen günstig innerhalb der EU vertreiben zu können. Zusätzlich bot Irland internationalen Investoren irrwitzig niedrige Steuern an. Zunächst schien die Rechnung der Regierung aufzugehen: Es entstanden massenweise Arbeitsplätze auf der Insel und die Bürger glaubten an ihre Zukunft. Sie investierten ihrerseits in Immobilien und gründeten Unternehmen. Doch dann schlug 2008/2009 die Finanzkrise zu. Und genau hier setzt Donal Ryan an. Er lässt unter dem Titel "Die Gesichter der Wahrheit" 21 Bürger im Nachkrisemodus zu Wort kommen. Weiterlesen ›

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Thomas Lang: Immer nach Hause

Hermann Hesse gehörte zu den Ikonen meiner Jugend. Ob Unterm Rad, Damian, Glasperlenspiel oder Steppenwolf – bis heute sind mir seine Romane und Erzählungen unvergesslich. Aber welcher Mensch, Ehemann und Vater verbarg sich hinter dem berühmten Schriftsteller? Diesen Fragen geht Thomas Lang in seinem Roman „Immer nach Hause“ nach. Weiterlesen ›

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