Abbas Khider: Palast der Miserablen

In seinem jüngsten Roman entführt Abbas Khider seine Leser in einen Folterkeller Saddam Husseins im Irak. Dort sitzt der junge Shams Hussein ein. Sein Verbrechen: Er liebt Bücher und umgibt sich trotz seiner großen Armut mit Büchermenschen. Letztere gehören in einer Diktatur zur besonders gefährdeten Spezies.

Auf der Flucht vor der Armut im Süden Iraks macht sich die Familie von Shams auf nach Bagdad. Im Zentrum des Staates und der Macht erhofft sich die Familie eine Zukunft, eine Perspektive vor allem für die Kinder. Doch sie landen bei den Ärmsten der Ärmsten in den Slums von Bagdad. Aus Blech, Plastik und Müll, den die Familie aus den Müllhalden klaubt, errichten sie sich eine Hütte. Sie versuchen wie all ihre Nachbarn, den geborgenen Müll weiter zu verkaufen oder sie handeln mit Plastiktüten und ähnlichen Pfennigsartikeln.

Shams hat das Glück aufzusteigen: Er wird dank seiner Leidenschaft für Bücher Bücherverkäufer und findet gleichgesinnte Freunde, die ihn in den „Palast der Miserablen“ einführen. So bezeichnet der Freundeskreis das Treffen in einer Wohnung eines Mitgliedes.

Wie der Bücherliebhaber vom Palast in den Folterkeller gerät und wie es ihm dort ergeht, dass solltet ihr selber lesen. Denn der Roman ist unbedingt lesenswert.

Abbas Khider gehört längst zu den wichtigsten deutschsprachigen literarischen Stimmen. Im Irak geboren und aufgewachsen floh er bereits 1996 aus seiner Heimat. Seit 2000 lebt er in Deutschland und beschert dem deutschsprachigen Buchmarkt regelmäßig sprachlich und thematisch wichtige Romane.

Carl Hanser Verlag ISBN 9783446266650

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