Abdulrazak Gurnah: Das verlorene Paradies

Eine echte Entdeckung: Der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 2021 an Abdulrazak Gurnah verdanken wir die deutschsprachige Wiederauflage seines 1994 erschienenen Romans „Das verlorene Paradies“.

Vordergründig erzählt Abdulrazak Gurnah eine Coming of Age-Geschichte. Yusuf lebt mit seinen Eltern in bescheidenen Verhältnissen irgendwo auf dem Gebiet des heutigen Tansania. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft hatte sich sein Vater verschuldet. Da er die Schulden nicht tilgen kann, wird der 12-jährige Yusuf als Sklave dem Gläubiger, Onkel Aziz, mitgegeben.

In den kommenden Jahren findet er in Khalil, einem weiteren verpfändeten jungen Mann, einen großen Bruder. Khalils Überlebensstrategie lautet Unterwürfigkeit. Yusuf hingegen entwickelt sich zu einem besonders hübschen und klugen jungen Mann. Das weckt Begehrlichkeiten und wird zur Gefahr für Yusuf.

Der persönliche Kampf des Jungen um seine Freiheit steht symptomatisch für die Unterdrückung der Menschen in Tansania, ob durch den Islam mit seinen strengen Auslegungen, die insbesondere Frauen jeder Freiheit beraubt, oder durch die europäischen Kolonialherren, die an Grausamkeit und Boshaftigkeit alle bisherigen Übel noch zu überbieten scheinen.

Wie können sich Menschen angesichts all dieser äußeren Zwänge eine innere Freiheit erkämpfen oder gar bewahren? Ist das verlorene Paradies wirklich ein Verlust?

Abdulrazak Gurnah führt mit seiner Geschichte mitten in einem multiethnischen und multikulturellen Kontinent um 1900 und beschreibt zugleich einen universellen menschlichen Konflikt.

Hoffentlich folgen im Zuge der Nobelpreisverleihung weitere Übersetzungen seiner Werke ins Deutsche!

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

Penguin Random House Verlagsgruppe ISBN 9783328602583

 

 

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