Alaa al-Aswani: Der Jakubijân-Bau

Der ägyptische Autor Alaa al-Aswani erweckt in seinem Roman "Der Jakubijân-Bau" einen Mikrokosmos zum Leben. Das Wohnhaus steht in der Innenstadt von Kairo. In den Wohnungen leben wohlhabende Geschäftsleute. Auf dem Dach gibt es winzige Kammern für die armen Bediensteten oder Angestellten. Der Jakubijân-Bau ist quasi ein Synonym für die Pyramide der ägyptischen Gesellschaft.

Im Mittelpunkt von Alaa al-Aswanis Geschichte stehen zwei junge und arme Menschen aus der "Dachgesellschaft", die anfangs voller Zuversicht auf ein besseres, ein glückliches Dasein ins Berufsleben starten. Doch schnell gelangen sie an die Grenzen der Möglichkeiten. Haha al-Schâli ist der Sohn des Torhüters. Sein Traumberuf als Polizist wird im verwehrt, weil weder sein Ansehen noch seine finanziellen Mittel für eine Bestechung reichen. Enttäuscht und zunehmend isoliert wendet er sich einem immer radikaler werdenden Islam zu. Rache an der ungläubigen Gesellschaft scheint ihm das einzig Richtige zu sein. Mit seiner schwindenden wirtschaftlichen Perspektive geht auch der Verlust seiner Freundin einher. Buthaina al-Sajjid versucht es mit ehrlicher Arbeit. Aber an jeder Arbeitsstelle versuchen die Vorgesetzten sie sexuell zu nötigen. Schnell erkennt sie, dass sie den Preis festsetzen kann. Denn es ist schier unmöglich, sich gänzlich von der Macht des männlichen Arbeitgebers freizumachen.

Doch auch die reicheren Bewohner des Hauses machen keinen glücklicheren Eindruck. Sie alle sind viel zu sehr beschäftigt, ihre großen und kleinen Egoismen zu befriedigen. Alaa al-Aswani gelingt es meisterhaft, die Romanfiguren zu skizzieren. Mit manchen zittert man, manche betrauert man und wieder andere ekeln einen an. In jedem Fall schafft es der Autor, den Leser zu berühren und einen kleinen Einblick in das vorrevolutionäre Ägypten zu gewähren.

Lenos Verlag ISBN 9783857877407

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Veröffentlicht unter Ägypten, Belletristik

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