Albert M. Debrunner: „Zu Hause im 20. Jahrhundert“. Hermann Kesten. Biografie

Liegt es an den aktuellen politischen Entwicklungen oder fehlen uns zeitgenössische literarische Helden? Die Exilliteratur von Schriftstellern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich vor Hitler, Stalin und ihren willigen Vollstreckern versucht haben in Sicherheit zu bringen, stehen in immer mehr Publikationen im Mittelpunkt. Ein Trend? Wenn ja, dann ist es ein Trend, den Freunde der anspruchsvollen Literatur nicht verpassen sollten.

Der Schweizer Gymnasiallehrer Albert M. Debrunner erzählt in seinem Buch “Zu Hause im 20. Jahrhundert“ vom Leben und Wirken des Hermann Kesten. Der Schriftsteller und Lektor wurde 1900 im Ort Podwoloczyska geboren. Ein Ort, der mal zu Österreich-Ungarn, mal zu Polen, der Ukraine und der Sowjetunion oder dem Dritten Reich gehörte. Geprägt vom Wechselfall der Geschichte gehörte Hermann Kesten zur Kategorie Weltbürger, die sich dort zu Hause fühlten, wo die deutsche Sprache gesprochen, geschrieben und gelesen wurde. 

Bis zu Beginn des Dritten Reiches im Januar 1933 galt Hermann Kesten neben Thomas Mann und Lion Feuchtwanger zu den auflagenstärksten deutschsprachigen Autoren. Dennoch ist er heute weitaus weniger bekannt als seine Weggefährten. Wie so viele, die vor Völkermord und Publikationsverbot geflohen waren, geriet er im Nachkriegsdeutschland ins Abseits. Zu sehr rieb er sich nach 1945 an den Opferlegenden der im Dritten Reich verbliebenen Schriftsteller.

Es ist ein großes Verdienst von Albert D. Brunner, dass er Hermann Kesten als Schriftsteller und Lektor so vieler bedeutender Autoren bei Kiepenheuer, Albert de Lange und dann bei Kiepenheur & Witch ein kleines Buchdenkmal baut. Die Lektüre wird allerdings durch so manch einen antiquierten Ausdruck ein wenig erschwert. Davon sollte man sich als Leser nicht abhalten. Wer schon Bettina Batschevs Buch über den Querido Verlag  gelesen hat, wird auch Debrunners Werk mit Interesse lesen. 

Nimbus. Kunst und Bücher ISBN 9783038500322

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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