Aleksandar Tisma: Der Gebrauch des Menschen

Der Roman „Der Gebrauch des Menschen“ zählt zu den erschütternsten literarischen Werken über die Shoah. Das Buch ist der zweite Band eines fünfteiligen Romanzyklus von Aleksandar Tišma und erschien 1976 auf Serbisch. Alle fünf Bücher der Serie verarbeiten die Erlebnisse und Erfahrungen der Familie Tišma im serbischen Novi Sad.

Der vorliegende zweite Band des Zyklus „Der Gebrauch des Menschen“ schildert den Missbrauch der Bürger Novi Sads durch die deutsche Besatzung zwischen 1941 und 1944 und durch das aufkeimende kommunistische Nachkriegsregime. Dabei zeigt Aleksandar Tišma eindringlich, wie sehr Krieg, Massenmord, Verfolgung und Diktatur die Menschen für den Rest ihres Lebens beschädigen.

Die Zerstörung von Körper und Seele quer durch die verschiedenen Bevölkerungsgruppen macht der Autor anhand von Einzelschicksalen begreifbar:

Die Deutschlehrerin Anna, die Selbstmord begeht. Die „Halbjüdin“ Vera, deren nichtjüdische Mutter nach Deutschland flieht und als einziges Familienmitglied den zweiten Weltkrieg unbeschadet übersteht. Während Vera ihre jüdischen Familienmitglieder in die Hölle des KZs begleitet. Physisch überlebt sie als Prostituierte im lagereigenen Bordell. Doch Schuld und Scham lassen sie nie wieder in ein sogenanntes normales Leben zurückkehren. Dies gilt auch für ihren Jugendfreund Sredoje. Er arbeitet zunächst als Übersetzer für die Wehrmacht und schließt sich dann den Widerstandstruppen Titos an. Auch er kann und will sich nach Kriegsende nicht in den neuen Alltag fügen.

Es gibt kein Entrinnen aus dem Horror. Die Vergangenheit ist und bleibt gegenwärtig. Hoffnung keimt an keiner Stelle des Buches auf. Und so ist der Roman ausschließlich für hartgesottene Leser geeignet. Diesen sei er aber ganz besonders ans Herz gelegt.

Die Neuauflage des über Jahre vergriffenen Romans verdanken wir der ZEIT Bibliothek der verschwundenen Bücher.

Verlag der ZEIT Bibliothek der verschwundenen Bücher ist die Eder & Bach GmbH

ISBN: 9783945386101

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Veröffentlicht unter Belletristik, Serbien, Widerstand

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