Almudena Grandes: Der Feind meines Vaters

Der Roman "Der Feind meines Vaters" begleitet den Jungen Nino auf seiner Reise ins Erwachsenenalter unter schwierigen politischen und damit menschlichen Rahmenbedingungen.

Nino ist zu Beginn der Geschichte neun Jahre alt. Er wächst in einem kleinen Dorf in den Bergen Spaniens auf. Sein Vater ist bei der Guardia Civil, sodass die Familie in der Kaserne wohnt. Nachts wachen Nino und seine Schwester immer wieder von den Schreien der gefolterten Gefangenen auf. Denn aus Sicht der Kollegen von der Guardia Civil herrscht im Jahr 1947 noch immer Krieg zwischen den Kommunisten und den Francisten.

Jeder im Dorf wird verdächtigt, die Kämpfer in den Bergen zu unterstützen. Ein Klima der Angst, Verzweiflung und des Hasses ist unausweichlich. Die Kinder der Uniformierten gelten als Söhne und Töchter von Mördern. Ein normaler Umgang mit Klassenkameraden und Dorfbewohnern war unmöglich. Bis Nino den neu hinzugezogenen Pepe, den Portugiesen, trifft. Pepe wird eine Art Ersatzvater für ihm. Sein Mut und seine Entschlossenheit, sich der Diktatur nicht zu unterwerfen, beeindrucken Nino nachdrücklich, zumal Pepe Ninos Vater nicht verurteilt, sondern im Gegenteil das Dilemma des Vaters erkennt. Denn große Teile der Familie wurden von den Francisten als vermeintliche Kommunisten ermordet. Der Vater versuche doch nur seine Kinder zu beschützen und unterwerfe sich daher den Spielregeln des Systems, erklärt Pepe dem Jungen. Er sei, so Pepe, kein schlechter Kerl im Gegenteil zu so manchem seiner Kollegen bei der Guardia Civil, die reine Sadisten seien.

Das Kind Nino erlebt die grausige Logik des Krieges so intensiv, dass es für ihn als Erwachsenen nur den Weg des Widerstandes gibt.

Ein bewegendes Buch, dass sehr eindrücklich das Bürgerkriegs-Klima in der offiziellen Nachbürgerkriegszeit beschreibt. Mir ist der Tenor dennoch zu verklärt in Bezug auf den kommunistischen Widerstand. Selbstverständlich hatte Franco eine mörderische Diktatur errichtet, aber wäre die kommunistische Diktatur eine Alternative gewesen? Wie viel Chance auf Demokratie im heutigen Sinne hatte Spanien in den späten 30iger Jahren? Ich weiß es nicht, da ich mich nie intensiv mit dieser Geschichte beschäftigt habe. Auf beiden Seiten lohnt es sich, die individuellen Geschichten zu betrachten und die Menschen einzeln zu beurteilen.

Carl Hanser Verlag ISBN 9783446241251

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Veröffentlicht unter Belletristik, Spanien

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