Alois Hotschnig: Der Silberfuchs meiner Mutter

Vielen Dank an Literaturkritiker Carsten Otte für den Hinweis auf den Roman „Der Silberfuchs meiner Mutter“ von Alois Hotschning. Ich teile seine Begeisterung für dieses Buch.

„Nazihure“ oder ein klein wenig freundlicher „Naziliebchen“ wurden Frauen tituliert, die sich in einem der besetzten Länder in einen deutschen Soldaten verliebten. Das war nicht nur verletzend. Es konnte auch gefährlich werden für die Frauen und ihren Nachwuchs. Kein Wunder also, dass so mancher Soldat versuchte, seine Freundinnen heim ins Reich zu bringen. Doch dort galten sie auch als Huren. Im konkreten Fall „Norwegerhure“.

Der Roman erzählt aus der Perspektive des Sohnes die Geschichte seiner norwegischen Mutter und seines österreichischen Vaters. Als seine Mutter schwanger wurde, unterzog sie sich einer Untersuchung durch die berüchtigte Nazi-Organisation Lebensborn. Diese bestätigte ihre guten „arischen“ Gene und organisierte ihre Reise von Oslo über Berlin nach Hohenems im Jahr 1942. Dort wird Heinz geboren. Doch der Vater muss weiter am Krieg teilnehmen, trennte sich wohl auf Druck der eigenen Familie von seiner norwegischen Freundin. Die Mutter sitzt einsam und ohne Kenntnisse der deutschen Sprache in der Kleinstadt, bricht nach der Geburt des Kindes zusammen, sodass sie in die Psychiatrie eingewiesen wird. Die ersten Jahre verbringt der Sohn daher bei einer Pflegefamilie.

Nach ihrer Entlassung nimmt die Mutter ihr Kind zu sich und versucht nach dem Krieg einen Neustart in Hohenems. Eine Heimat findet sie dort nie. Auch wenn sie später einen Bürger aus Hohenems heiratet. Ihr Mann ist Säufer, was die Situation der Familie mit inzwischen drei Kindern verschärft. Heinz als ältester Sohn übernimmt früh Verantwortung für die vereinsamte und kranke Mutter ebenso wie für die kleineren Halbgeschwister. Denn die Mutter leidet unter Epilepsie, wird immer wieder in die Psychiatrie eingeliefert und mit den damaligen Mitteln der Elektroschocks gefoltert. Zur Epilepsie gesellt sich eine Depression mit den üblichen Wellen. Die Kinder erhalten sie am Leben auch in ihren düstersten Momenten.

Trotz allem zerbricht das Kind nicht. Heinz wird ein erfolgreicher Schauspieler, der seine Mutter bis zuletzt zur Seite steht. Seinen Vater lernt er erstmals kennen, als er 60 Jahre alt war.

Die Geschichte basiert auf dem Leben des österreichischen Schauspielers Heinz Fitz. Natürlich hat sich Alois Hotschning künstlerische Freiheiten für die literarische Bearbeitung genommen. Zum Glück, denn so gerät man als Leser:in in einen wahren Leserausch!

Kiepenheuer & Witsch ISBN 9783462303834

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