Amitav Ghosh: Die Flut des Feuers

Wer wissen will, wie sehr das Schicksal einzelner Menschen von der Verflechtung politischer und wirtschaftlicher Interessen abhängt, dem sei die Roman-Trilogie des indischen Autors Amitav Ghosh ans Herz gelegt. "Das mohnrote Meer", "Der rauchblaue Fluss" und nun der letzte Band "Die Flut des Feuers" erzählen die Vorgeschichte und Geschichte des 1. Opiumkrieges zwischen Großbritannien und China, der 1842 in der Abtretung Hongkongs an das Empire mündete. 

Im Mittelpunkt des Abschlussbandes "Die Flut des Feuers" steht der Beginn des 1. Opiumkrieges ab 1839. Amitav Ghoshs Erzählung ist vielstimmig angelegt. Der Leser folgt abwechselnd den verschiedensten Protagonisten, die je eine Perspektive auf das historische Geschehen eröffnen.

Die britische Ehefrau, Mrs. Burnside, etwa ist unglücklich verliebt in einen britischen Captain. Ihre Eltern verbieten die Ehe mit ihm, der unterhalb des eigenen Standes steht und zwingen ihr eine Vernunftehe mit einem reichen Kaufmann auf. Dieser Kaufmann ist wiederum tief in den Opiumhandel verstrickt.

Der so plötzlich von chinesischer Seite unterbundene Opiumhandel bedroht die Wirtschaftsinteressen des Empire. Zum Schutz dieser Wirtschaftsinteressen und ohne Rücksicht auf die Opfer des Drogenhandels brechen die Briten einen Krieg vom Zaun. Und natürlich kämpft eben jener unglückliche Captain an vorderster Front gegen die chinesischen Truppen. An seiner Seite steht sein treuer indischer Kampfgefährte Kesri.

Zwischen den verschiedenen Liebes- und Kriegsgeschichten erfährt man ganz nebenbei, wie Globalisierung - Verzeihung Kolonialisierung - vor fast 200 Jahren ausgesehen hat. Der Leser erhält so tiefe Einblicke in die gesellschaftlichen Zusammenhänge der britischen Kolonisten, der britischen Armee und der indischen Gesellschaft sowie der Rolle der Frau im Empire.

Chinesische Händler, britische Seeleute oder indische Witwen – wie im Rausch folgt man dem vielköpfigen Roman-Personal bei der Suche nach Wohlstand und Glück in Zeiten des Krieges, der Kolonisation und des Kastendenkens.

Karl Blessing Verlag ISBN 9783641199937

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Veröffentlicht unter Belletristik, China, Großbritannien, Indien

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