André Kubiczek: Skizze eines Sommers

Mit der strahlenden Sommersonne im Nacken sitze ich auf dem Balkon und klappe „Skizze eines Sommers“ von André Kubiczek mit Begeisterung und Bedauern zu. So herrlich leicht und einfühlsam erzählt der 1969 in Potsdam geborene Autor vom DDR-Sommer des Lebens im Jahr 1985, dass ich wünsche, das Buch ende so wenig wie der Sommer.

Für den knapp 16-jährigen René beginnen die Sommerferien nach dem Abschluss der 10. Klasse unter ganz besonderen Umständen: Sein Vater reist für sechs Wochen als Mitglied einer DDR-Verhandlungsdelegation in die Schweiz. Da Renés Mutter schon vor Jahren starb, bleibt er allein mit tausend DDR-Mark in der Plattenbauwohnung in Potsdam zurück. Nicht so ganz richtig allein, denn seine drei Freunde Mario, Michael und Dirk verbringen den Großteil der Ferien ebenfalls vor Ort.

Was folgt, ist der Sommer ihres Lebens mit den ersten Erfahrungen in der Liebe und dem Entlieben, mit viel und zu viel Alkohol und vor allem mit geliebten und ersehnten Büchern.

Sehr geschickt verwebt André Kubiczek die Erzählung von der scheinbar grenzenlosen Freiheit der Jugend mit den Grenzen, die die DDR vor allem geistig Interessierten zog. Insbesondere für passionierte Leser bietet das Buch mit seiner Lektüreliste der Jugendlichen manche Stelle zum Schwelgen und Schmunzeln.

Der Erzählton ist leise und unaufgeregt und wirkt dadurch umso fesselnder. Das Buch zu lesen, macht durch und durch Freude. Traurig ist nur, dass man nicht erfährt, wie es René auf dem Eliteinternat ergehen wird. Fortsetzung erwünscht, lieber Herr Kubiczek.

„Die Skizze eines Sommers“ von André Kubiczek steht auf der Longlist der Kandidaten für den Deutschen Buchpreis 2016.

Rowohlt Verlag ISBN 9783644120419

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4 Pings/Trackbacks für "André Kubiczek: Skizze eines Sommers"
  1. […] Ruth liest und Fräulein Julia waren jedenfalls sehr angetan und ich könnte mir vorstellen, dass Christine Westermann dieses Buch vorstellen wird. […]

  2. […] Ruth liest, Fräulein Julia, Sounds & Books sind begeistert von diesem Titel.  Zeilensprünge ist etwas skeptisch. […]

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