Andrej Nikolaidis: Der Sohn

"Der Sohn" ist ein Schriftsteller, der nicht mehr schreibt. Er ist ein Sohn, der keinen Kontakt mehr zu seinem gegenüber lebenden Vater hat. Er ist ein Mensch, der andere Menschen verabscheut und die Begegnung mit ihnen vermeidet. Und doch leidet er unermesslich, als sich seine Frau von ihm trennt. Einen Tag und eine Nacht kann der Leser ihm auf seinen Wegen durch das öde Städtchen auf dem Balkan folgen. Eine lohnenswerte Tour...

Andrej Nikolaidis porträtiert in seinem Roman "Der Sohn" den klassischen Intellektuellen, der sich seine Intelligenz beweisen muss, indem er alles und jeden verachtet und seine Verachtung auch spüren lässt. Gleichzeitig beschreibt der Autor die traurige Wirklichkeit auf dem Balkan jenseits der glänzenden Fassaden für Touristen.

Der Sohn trifft nacheinander die traurigsten Gestalten: Zum Beispiel läuft er einer an Lepra erkrankten Familie aus dem Kosovo in die Arme. Sie haust in einer zu sozialistischen Zeiten gebauten Tiefgarage ohne Anschlussstraße und lebt vom Betteln. Er begegnet einem Jugendfreund, der von den Mitschülern aus Böswilligkeit gequält und um seine Zukunft gebracht wurde. Zudem trifft er einen hochintelligenten älteren Herrn, der ohne jede Hoffnung und jeden Glauben ist.

Die schmerzvollste Begegnung lauert auf den Sohn aber in seines Vaters Haus: Es ist die Begegnung mit sich selbst und dem selbst verursachten größtem Verlust.

Für Leser kluger und überaus düsterer Geschichten unbedingt geeignet.

Verlag Voland & Quist ISBN 9783863911126

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Veröffentlicht unter Belletristik, Bosnien und Herzegowina, Montenegro
Ein Kommentar auf “Andrej Nikolaidis: Der Sohn
  1. Silvia sagt:

    Das hört sich nach einem sehr beeindruckenden, wenn auch bedrückendem Buch an.

1 Pings/Trackbacks für "Andrej Nikolaidis: Der Sohn"

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