Angela Lehner: Vater Unser

Eine junge Frau wird gefesselt in die Psychiatrie eingeliefert und erklärt beim ersten Gespräch mit ihrem behandelnden Psychiater, sie habe eine Kindergartenklasse erschossen. Ein starker Einstieg ist Angela Lehner in ihrem für den Bloggerpreis „Das Debüt“ 2019 nominierten Roman „Vater unser“ gelungen.

Das Tempo des Buches bleibt hoch. Mit der Zeit wird klar, dass die junge Frau keineswegs gewalttätig ist. Sie will ihren jüngeren Bruder beschützen, der in der gleichen Psychiatrie sitzt. Sie träumt davon, ihn aus der Einrichtung zu entführen. Doch der Bruder will sie kaum sehen und sprechen. Ihrer beider Mutter besucht jedes Mal zuerst den Bruder und dann sie. Immer schwingt der Vorwurf mit, dass die Schwester den Bruder ins Unglück stürzt. Oder stimmt nicht doch die Geschichte, dass der Vater beide Kinder vergewaltigt hat? Letzteres könnte aber auch zu den Erzählungen der jungen Frau gehören, die ja auch die Erschießung der Klasse nur vorgegeben hat.

Was ist wahr und für wen ist es wahr? Wer ist irre? „Die“ da drin oder „die“ da draußen? Auch nach dem Ende der Lektüre kann ich es nicht sagen. Aber während der Lektüre hatte ich großen Spaß mit der rotzfrechen Protagonistin, der für immer auf Opfer machenden Mutter und dem coolen Psychiater.

Hanser Berlin ISBN 9783446262591

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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