Anna Pritzkau: Fast ein neues Leben

Anna Pritzkau greift in zwölf faszinierenden Erzählungen unter dem Titel „Fast ein neues Leben“ das Thema Migration auf. Auf nur 80 Seiten schafft es die Autorin, vom Kommen nach Deutschland und dem verzweifelten Versuch anzukommen zu berichten. Anna Pritzkaus Geschichten bevölkern Menschen, die innerlich weiter auf der Flucht sind: Da sind Mütter, die in der neuen Heimat vor Sehnsucht nach den zurückgelassenen Menschen in tiefe Depressionen verfallen, oder Väter, die auf der Flucht vor sich selbst arbeiten, arbeiten und arbeiten.

Besonders berührend sind die Geschichten, die aus der Perspektive der Kinder erzählen. Die Kinder versuchen in der neuen Heimat mit aller Macht akzeptiert zu werden, fühlen sich nicht selten als Verräter an ihren Eltern. Dabei erhalten sie  Unterstützung von übereifrigen „Freundinnen“. Die genießen aber vor allem ihre anfängliche Überlegenheit und entpuppen sich schnell als schwierige Mitmenschen statt als Freundinnen. Zumindest sind sie nicht weniger problematisch als die Mitschüler mit ablehnender Haltung gegenüber den Neuen.

Nach der Lektüre bleibt eine tiefe Nachdenklichkeit zurück über unseren angeblich so weltoffenen Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund.

Friedenauer Presse Berlin, MSB Matthes & Seitz ISBN 9783 751806015

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