Anne Enright: Rosaleens Fest

Rosaleen ist 75 Jahre alt und Mutter von vier sehr unterschiedlichen Kindern: Constance, Dan, Emmet und Hanna. Rosaleen fühlt ihre Kräfte schwinden und hat Sehnsucht nach ihren Kindern, die nur selten nach Hause kommen. Daher will sie endlich wieder ein Weihnachtsfest mit allen Geschwistern am Tisch feiern. Doch die vier, mitterweile Mitte dreißig bis Mitte vierzig Jahre alt, haben alle das Gefühl, es ihrer Mutter nie recht zu machen, nie gut genug für die perfekte Rosaleen zu sein.

Schön, gebildet und kultiviert ist die junge Rosaleen, als sie sich in Pat verliebt, der aus einer armen Familie stammt. Sie heiratet unter ihrem Stand. Trotz der Liebesheirat bleibt Rosaleen eine Art Prinzessin in der Familie, die hohe Erwartungen an ihre Kinder stellt. Kalt und unnahbar erscheint sie ihren Kindern. Alle vier haben ständig das Gefühl, ihren Erwartungen nicht zu entsprechen.

Constanze, die Älteste, entscheidet sich mit drei Kindern für das Familienmodell. Alle ihre Freundinnen sind in die Welt gezogen und erfolgreich im Beruf. Nur sie hat keine abgeschlossene Ausbildung vorzuweisen. Warum kann sie nicht einfach das Glück einer guten Ehe mit drei wunderbaren Kindern genießen? Dan hat in Irland ein Literaturstudium absolviert, verdient aber in New York und Toronto als Kunsthändler sein Geld. Er ist so weit er konnte vor dem katholischen Irland und seiner perfekten Mutter geflohen. Er ist schwul und konnte sich das selber lange nicht eingestehen oder gar Glück mit seinen Partnern empfinden. Emmet arbeit als Entwicklungshelfer in verschiedenen afrikanischen Ländern. Wie kann er Glück, Zufriedenheit oder auch nur sich selbst annehmen angesichts des Elends in der Welt, das er nicht beseitigen kann? Hanna, die jüngste Schwester, schafft es nicht, als Schauspielerin Fuß zu fassen. Und obwohl sie ihr Baby liebt, verfällt sie mehr und mehr ihrer Alkoholsucht.

Das Weihnachtsfest endet entsprechend unharmonisch und abrupt. Rosaleen verlässt das Haus, um den Kindern eine Lektion zu erteilen. Erstaunlicherweise funktioniert das und die Familie findet einen Weg zueinander.

Das klingt ein wenig kitschig? Leider wird dieser Eindruck auch durch das Blumencover des Buches verstärkt. Doch sprachlich und literarisch ist das Buch keineswegs kitschig. Sehr präzise und doch behutsam zeichnet die preisgekrönte Bestsellerautorin Anne Enright die Figuren.

Deutsche-Verlags-Anstalt ISBN 9783641173531

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Veröffentlicht unter Belletristik, Irland, Kanada, USA

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