Arif Anwar: Kreise ziehen

Auf dem Buchmarkt gibt es zahlreiche Bücher über den Kolonialismus des Britischen Empire und seine Folgen. Mit dem Roman „Kreise ziehen“ legt der kanadische Schriftsteller Arif Anwar ein besonders lesenswertes Buch zum Thema vor.

Der Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen.

1942: Claire und Ichiro zunächst in Rangun, Burma, und dann in Chittagong, Ostbengalen, heute Bangladesch.

1946: Rahim und Zahira zunächst in Kalkutta, Westbengalen, heute Indien, dann in Chittagong, Ostbengalen, heute Bangladesch.

1970: Honufa und Jamir in Chittagong, damals Ostpakistan, heute Bangladesch.

1994: Valerie in Washington DC.

2004: Shahryar und Anna in Washington DC und später im Jahr Sharyar in Bangladesch.

Jedes Kapitel ist aus der Perspektive von ein, maximal zwei Protagonisten geschrieben. Zusammen ergeben sie ein Bild vom Kolonialismus und seinen Auswirkungen auf das heutige Bangladesch, das erst aus der Asche des Britischen Empires entstand.

Auf 880 Seiten lässt Arif Anwar den Lesenden ebenso in die Haut des japanischen Soldaten Ischiro während des 2. Weltkrieges schlüpfen wie in den Kopf der britischen Militärärztin Claire oder in die Gedankenwelt des muslimischen Mitarbeiters eines britischen Betriebes in Indien und seiner Frau, Rahim und Zahira, die sich zur Flucht ins überwiegend von Muslimen bewohnte Ostbengalen gezwungen sehen.

Die Lesenden erleben, wie das Thema Religion auch im postkolonialen Bangladesch das Schicksal von Honufa und Jamir, zwei Bewohnern eines Fischerdorfes, bestimmt und welche Auswirkungen die Entwurzelung auf das Leben des begabten, in Washington studierenden, jungen Bangladeshi Sharyar und seine Tochter Anna hat. Alles hängt mit allem zusammen. Nur, dass nach wie vor nicht für alle die gleichen Rechte und Chancen gelten.

„Kreise ziehen“ überzeugt nicht nur mit seiner literarischen Konstruktion, sondern auch als kleine historische Nachhilfestunde.

Verlag Klaus Wagenbach, ISBN 9783803142498

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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