Assaf Gavron: Achtzehn Hiebe

Seit Assad Gavrons Debütroman "Ein schönes Attentat" bin ich ein großer Fan des israelischen Schriftstellers. Sein aktueller Roman "Achtzehn Hiebe" knüpft an dieses Werk an.

Im Mittelpunkt beider Romane steht Eitan Einoch. In "Ein schönes Attentat" arbeitet er in einem IT-Unternehmen in Tel Aviv. Er entspricht dem Klischee des jungen, hippen und erfolgreichen Israelis. Kurz hintereinander überlebt er drei Attentate. Das klingt ernst, doch Gavrons Kunst besteht darin, selbst bei diesem furchtbaren Thema immer einen Lacher auf seiner Seite zu haben.

Zehn Jahre später begegnen wir dem Helden in "Achtzehn Hiebe" wieder. Eitan ist geschieden, sieht seine Tochter nur selten und arbeitet als Taxifahrer. Aus dem ehemaligen Medienstar ist ein - im Sinne unserer westlichen Erwartungen - "Gescheiterter" geworden, dem es unangenehm ist, wenn er vereinzelt erkannt wird.

Gerade als Taxifahrer begegnet er den unterschiedlichsten Menschen, wie Lotta. Sie ist eine greise Frau, die in einem Altersheim wohnt und von Eitan regelmäßig zu einem Friedhof gefahren wird. Dort besucht sie das Grab ihrer großen Liebe, einem britischen Soldaten, der in ihren jungen Jahren zu den Besatzern gehörte und erst kurz vor seinem Tod Israel und damit seine alte große Liebe Lotta besuchte.

Anhand dieser Liebesgeschichte fächert Assad Gavron die britische Mandatszeit auf. Achtzehn Hiebe steht für die unmenschliche Behandlung der jüdischen wie arabischen Bevölkerung durch die Briten. Achtzehn Hiebe steht aber auch für die ebenso unmenschliche Rache an den Briten.

Wer ist schuld, schuldiger, am schuldigsten? Oder sind es alle? Und was zum Teufel ist bei all dem Hass mit der Liebe los?

Lest es selbst, es lohnt sich!

Luchterhand Literaturverlag in der Verlagsgruppe Random House ISBN 9783630875637

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Veröffentlicht unter Belletristik, Israel
4 Kommentare auf “Assaf Gavron: Achtzehn Hiebe
  1. Meine Lieblingsbuchhändlerin hats mir total empfohlen und ich habe es schon einmal verschenkt, ohne es bislang selbst gelesen zu haben. Aber, es liegt ganz oben auf meinem SuB und nach Deiner Rezi werde ichs mir sehr bald vornehmen. Liebe Grüße

    • Ruth Justen sagt:

      Es ist nicht nur gut geschrieben, sondern beleuchtet einen Aspekt im Nahost-Konflikt, der zumindest mir so noch nicht untergekommen ist. Insofern lohnt es sich auch als Geschichtslektüre. An den Humor von „Ein schönes Attentat“ reicht das Buch aber nicht ran.

  2. monerl sagt:

    Hallo Ruth,

    das Buch habe ich auch vor kurzem gelesen und es hatte mir sehr gut gefallen. Ich kannte den Autor und sein Debüt nicht. Doch nun möchte ich es auch noch lesen und mehr von Eitan erfahren.

    Falls du Lust auf meine Meinung hast, kannst du sie HIER nachlesen.

    GlG vom monerl

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