Ayad Akhtar: Homeland Elegien

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? So lautete vor einigen Jahren der Titel eines philosophischen Sachbuchs von Richard David Precht. Der Titel würde auch gut zum autobiografischen Roman „Homeland Elegien“ von Ayad Akhtar passen.

Der US-amerikanische Autor Ayad Akhtar folgt in dem Roman den Spuren seiner aus Pakistan eingewanderten Eltern. Er verknüpft deren Schmerz über die verlorene alte Heimat und das nie gänzliche Ankommen in der neuen Heimat mit den Anschlägen vom 9. September 2001, den darauf blühenden antimuslimischen Rassismus in den USA und der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten im Jahr 2016.

Das ist ein sehr weiter Bogen. Dennoch gelingt dem Autoren, Dramaturgen und Pulitzer-Preisträger ein sehr eindringlicher Einblick in die große und diverse Gruppe der muslimischen Einwander:innen und ihrer in den USA geborenen Kinder. Parallel liefert er auf hohem intellektuellem Niveau eine Beschreibung der weißen, christlich geprägten Mehrheitsgesellschaft der USA, die bis heute an den entscheidenden gesellschaftlichen Hebeln sitzt.

Alle Beschreibungen und Analysen verzichten auf Wertungen oder gar Aburteilungen. Sehr differenziert und dennoch oder deshalb auch über weite Strecken in einem pessimistischen Ton gehalten, öffnet der anspruchsvolle Roman Horizonte.

Claasen, Ullstein Buchverlage ISBN 9783546100144

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