Ayman Sikseck: Reise nach Jerusalem

"Identität in der Falle" lautet der Titel von "The Bourne Supremacy" auf Hebräisch, den sich der junge Ich-Erzähler gemeinsam mit seiner Schwester in Ayman Siksecks Roman "Reise nach Jerusalem" anschaut. Die beiden leben in Jaffo und sind palästinensische Israelis oder arabische Israelis oder israelische Araber? In jedem Falle sind sie in der Identitätsfalle.

Eindringlich schildert Sikseck in seinem ersten auf Deutsch erschienenen Roman das Ringen um die eigene Identität. Wer bin ich? Was hat mich am meisten geprägt? Die israelische Schule, die muslimische Erziehung, die in der palästinensischen Tradition verwurzelten Eltern oder die westlich geprägte israelische Gesellschaft?

Nirgendwo scheinen seine Protagonisten dazu zu gehören. Sie sind Muslime, verabscheuen aber arrangierte Ehen. Sie sind gute Kinder und beugen sich dem Wunsch ihrer Eltern, die Tradition dennoch einzuhalten. Sie haben jüdisch-israelische Freunde, die selbstverständlich mit 18 in die Armee gehen. Sie verachten die Besatzung und fühlen sich durch die zunehmende militärische Präsenz in Jaffo überwacht und erniedrigt. Sie lieben amerikanisches Kino und das Austesten der Freiheiten, die die israelische Demokratie zulässt. Und im Augenblick würden sie gemeinsam mit ihren jüdischen Nachbarn im Bunker sitzen und von den gleichen Raketen radikaler Muslime bedroht werden.

Sie sind Grenzgänger, Grenzüberschreiter und wie in diesem Fall großartige Schriftsteller.

Arche Literatur Verlag 2012 ISBN: 9783716026878

 

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Veröffentlicht unter Belletristik, Israel, Palästina

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