Bettina Baltschev: Hölle und Paradies – Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur

Täglich hören wir in den Nachrichten von türkischen Schriftstellern, die verhaftet werden oder von türkischen oder ungarischen Medien, die geschlossen werden. Schriftsteller und Journalisten im Exil - dieses Thema ist leider wieder brandaktuell und geographisch nah. Mit großer Spannung habe ich daher Bettina Baltschevs Buch über die deutsche Exilliteratur in den Niederlanden aufgeschlagen. Und ich wurde nicht enttäuscht. 

Der Niederländer Emanuel Querido und der deutsche Fritz Landshoff gründen gemeinsam im Frühjahr 1933 den Querido Verlag. In der Keizersgracht 333 im Amsterdam erscheinen zwischen 1933 und 1940 zahlreiche Werke deutschsprachiger Literaten. Im Dritten Reich verboten, bleiben den Autoren nur noch die Publikationsmöglichkeiten in den Niederlanden und bis zum „Anschluss“ 1939 in Österreich. Die Auflagen in der deutschsprachigen Schweiz sind zu gering, um das finanzielle Überleben der Exilanten zu sichern.

Sehr detailliert und spannend wie ein Krimi erzählt die Journalistin Bettina Batschev die Motive der Verleger, das Bangen der Exilliteraten und das Hoffen, auf ein baldiges Ende des Dritten Reiches. Manches über die Situation in den Niederlanden vor der Besatzung kennen wir aus den Werken oder den Briefwechseln der Exilschriftsteller selber. Irmgard Keun oder Klaus Mann, um nur einige zu nennen, haben ihre Erlebnisse literarisch verarbeitet. Dass wir diese Literatur auch heute lesen dürfen, verdanken wir eben auch dem verlegerischen Engagement von Emanuel Querido und Fritz Landshoff. Ihnen und ihrem unterschiedlichen Schicksal setzt die Autorin ein verdientes Denkmal.

Emanuel Quadrigo blieb in den Niederlanden und wurde von den Nazis ermordet. Fritz Landshoff war in London auf Dienstreise, als die Niederlande besetzt wurde und verbrachte die Kriegsjahre zunächst in Großbritannien später in den USA. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wagte er einen neuen Versuch, die Werke der 30er Jahre wieder zu verlegen.

Leider entdeckten die Leser deutschsprachiger Literatur erst Jahrzehnte später diese Autoren und ihre Werke neu. Aber spät ist besser als nie. Vielleicht kann auch dieses Buch zu einer verstärkten Rezeption dieser exzellenten Werke führen. 

Berenberg Verlag ISBN 9783946334118

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1 Pings/Trackbacks für "Bettina Baltschev: Hölle und Paradies – Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur"
  1. […] antiquierten Ausdruck ein wenig erschwert. Davon sollte man sich als Leser nicht abhalten. Wer schon Bettina Batschevs Buch über den Querido Verlag  gelesen hat, wird auch Debrunners Werk mit Interesse […]

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