Chris Kraus: Das kalte Blut

Wie oft habe ich das schon gelesen: eine deutsch-jüdische Familiengeschichte im 20. Jahrhundert. Doch selten zog sich die Erzählung so elend lang wie in Chris Kraus Roman "Das kalte Blut". Knapp 1.200 Seiten widmet der Regisseur in seinem Debütroman der deutsch-baltischen Familie Solm und ihrem wechselvollem Schicksal.

Der Ich-Erzähler Koje Solm erzählt 1974 im Krankenhaus seinem Hippie-Bettnachbarn, wie aus ihm zunächst ein hoher SS-Offizier und später ein Agent des BND, der CIA und des Mossad wurde.

Als historisch interessierter Leser erfährt man viel Wissenswertes über die baltische und die deutschbaltische Geschichte sowie über die Entwicklung der Geheimdienste im Nachkriegseuropa. Das ist auch durchaus spannend und sicher ein wichtiges Kapitel im 20. Jahrhundert.

Unterm Strich verbindet der Autor zu bemüht das Leben der beiden Kriegsverbrecherbrüder mit dem Schicksal eines jüdischen Mädchens. Und als ob das nicht genügend Klischees und Erzählstränge wären, muss dann auch noch ein Althippie als Zuhörer herhalten. 

Weniger Ebenen und vor allem weniger Seiten hätten dem durchaus bereichernden Roman gut getan. 

Diogenes Verlag ISBN 9783257069730

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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