Christian Schünemann-Jelena Volic: Ein Fall für Milena Lukin

Ab und zu muss ich einfach einen Krimi lesen. Viele belächeln Kriminalromane. Doch ein guter Kriminalroman versteht es, den Fall vor einem packenden gesellschaftspolitischen Hintergrund auszurollen. Das gilt auch für den vorliegenden Band von Christian Schünemann und Jelena Volic.

"Ein Fall für Milena Lukin" spielt in Belgrad. Eine Romafamilie - Vater, Mutter, Tochter und Sohn - versucht sich aus dem Elend Serbiens Mitte der 90er Jahre herauszuarbeiten. Für den 10-jährigen Dusan endet der Kampf 1998 früh. Er wird eines Abends auf dem Weg zum Kiosk erschlagen. Die Mutter stirbt vor Kummer. Der Vater wird zum Alkoholiker, hat aber genug Durchblick, um von den Spendengeldern, die nach Dusans Tod flossen, seine Tochter Anna ins Ausland zu schicken.

Ist aus Anna nur eine erfolgreiche Anwältin geworden, weil ihr Bruder ermordet wurde? Knapp 20 Jahre nach dem Mord kehrt sie in ihre serbische Heimat zurück, um Antwort auf ihre Fragen zu bekommen. Wer hat Dusan zu Tode geprügelt? Was ist aus ihrem Vater geworden?

Milena, die halbtags an der deutschen Botschaft und den anderen halben Tag am Institut für Kriminalistik an der Universität arbeitet, ermittelt privat zum Tod des Jungen. Für sie steht eine weitere Frage im Raum: Gibt es eine Verbindung zwischen Dusans Tod und der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten 2003?

Anhand der beiden Kriminalfälle gelingt es dem Autorenduo, die gesellschaftliche Entwicklung in Serbien zu beleuchten. Vor allem für diesen Aspekt des Kriminalromans lohnt sich die Lektüre.

Diogenes Verlag ISBN 9783257608182

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Veröffentlicht unter Belletristik, Serbien

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