Christopher Kloeble: Das Museum der Welt

Rassismus ist mal wieder das Thema zur Stunde. Leider ein Dauerbrenner in unser aller Köpfe und Herzen. Auf besonders kluge und vielschichtige Weise beschreibt Christopher Kloeble in seinem Roman „Das Museum der Welt“ wie uns Vorbilder und Vorurteile prägen.

Der Ich-Erzähler des Romans heißt Bartholomäus. Er ist ein mindestens 12 Jahre alter Waisenjunge, der in einem christlichen Heim in Bombay Mitte des 19. Jahrhunderts aufwächst. Sein Vorbild und Vertrauter ist der aus Bayern stammende Vater Fuchs, der die besondere Intelligenz und Begabung des Jungen fördert.

Kaum ist Vater Fuchs spurlos verschwunden, tauchen die bayerischen Brüder Hermann, Adolph und Robert Schlagintweit im Heim auf. Sie nehmen Bartholomäus als Übersetzer mit auf eine Expedition zur Erkundigung Indiens. Ihre Expedition wird von der mächtigen britischen East India Company unterstützt.

Im Roman begleitet der Waisenjunge drei Jahre lang die Brüder in wechselnden Konstellationen. Dabei erfährt er nicht nur unendlich viel über seine Heimat, die Vielfalt der in Indien ansässigen Völker, Glaubensgemeinschaften und Sprachen, er bekommt den Kolonialismus, aber auch die grenzenlose Gewalt der lokalen Herrscher am eigenen Leib zu spüren. Bei aller Verachtung für die Kolonialmächte, faszinieren ihn die wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnisse derselben.

Wer aber ist er in diesem bunten Heer? Wer bestimmt, wer man ist? Geburt? Glaube? Wissenschaft? Oder hat man doch immer eine Wahl, wie sein Feind-Freund Eleazar meint?

Der fast 600 Seiten umfassende Roman liest sich wie ein Krimi. Bis zur letzten Seite zitterte ich mit Bartholomäus, ob er die gefährliche Expedition überlebt und was die Reise mit ihm macht.

Der Roman basiert auf der wahren Expedition der Brüder Schlagintweit 1854-1857 durch Indien. Der Autor möchte nach eigenen Angaben mit dem Buch an alle Begleiter erinnern, die hinter den berühmten Forschungsreisenden standen und es nie die Literatur schaffen.

dtv Verlagsgesellschaft ISBN 9783423437233

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