Christopher Kloeble: Die unsterbliche Familie Salz

Ein perfekter Start in die Buch-PR: Das Hotel Fürstenhof ist jedem Leipziger und vielen Reisenden ein Begriff. Wenn der Urenkel des Unternehmensgründers am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ein Studium absolviert und die eigene Familiengeschichte in den Mittelpunkt eines Romans stellt, ist das der Stoff, aus dem PR-Träume gemacht werden.

„Die unsterbliche Familie Salz“ von Christopher Kloeble erzählt die Geschichte seiner Familie über den Zeitraum von 100 Jahren.

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges erwirbt Herr Salz das Hotel Fürstenhof in Leipzig. Herr Salz braucht nach einigen Fehlschlägen in München einen Neuanfang. Der Rest der Familie sehnt sich danach, in München bleiben zu können.

Frau Salz schottet sich nach dem Umzug von München nach Leipzig in der Herberge für gehobene Ansprüche komplett ab. Sie versinkt in einer depressiven Phase, aus der sie auch die Töchter nicht erretten können. Am Ende wird ihre Tochter Lola Rosa Salz vom Vater für den Tod der Mutter verantwortlich gemacht und ins Internat geschickt. Aus Wut und Verzweiflung beschließt das Kind, nie mehr nach Hause zurückzukehren.

Das Leben scheint es zunächst auch gut mit ihr zu meinen. Sie wird eine erfolgreiche Schauspielerin, heiratet einen ebenfalls erfolgreichen Schauspieler und bekommt mit ihm zwei Kindern. So weit wäre alles gut, wenn da nicht der nächste Weltkrieg wäre. Lolas Mann Alfons wird 1944 einberufen und sie muss mit den Kindern die Stadt Karlsruhe verlassen. Was folgt, sind die wohl berührendsten Seiten des Buches. Die Flucht mit allen Übeln schildert Christoph Koeble en detail. Beschädigt an Körper und Seele überleben die meisten Familienmitglieder. Die Ermordung von Lolas großer Schwester in den letzten Kriegstagen und der frühe Tod ihres Mannes in den Nahkriegsjahren bleiben ein ewiges Trauma für Lola.

Kein Wunder, dass sich diese Wunden und Narben auch in den Seelen ihrer beiden Kinder wiederfinden. Nach vielen Irrungen und Wirrungen in seinem Leben gelingt ihrem Sohn Kurt, was keiner für möglich gehalten hätte. Er erstreitet sich nach der Friedlichen Revolution den Besitz des von der DDR enteigneten Hotels zurück. Der Fürstenhof nimmt die verlorene Tochter Lola wieder auf und beherbergt sie bis zu ihrem Tode. Allerdings wird sie diese 25 Jahre im Koma verbringen. In all der Zeit hat sie aber nur ein Bleiberecht, denn das Haus ist längt an einen Konzern verkauft. Kurt hat im Fernen Osten die Liebe seines Lebens gefunden und verbringt mit Frau und Tochter Emma sein Leben als Hotelmanager in Luxusherbergen rund um die Welt.

PR hin oder her. Christoph Koeble gelingt es, den Leser zu fesseln. Atemlos folgt man den einzelnen Familienmitgliedern auf ihrem Weg durch ein wechselvolles und über weite Teile grausiges Jahrhundert.

dtv Verlagsgesellschaft ISBN 9783 423430821

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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