Clemens Meyer: Stäube

Clemens Meyer erweist sich mit seinem jüngsten Erzählband „Stäube“ erneut als Meister der kurzen Geschichten.

Wer schon lange in Leipzig wohnt, hat die Bilder der großen Kohleabräumbagger in Sachsen und Sachsen-Anhalt nur zu gut im Kopf. Längst sind die Halden geschlossen, die Bagger abgebaut oder dienen als Museumsstücke. Einige Gruben wurden geflutet, andere wirken noch immer wie Mondlandschaften.

In diese verlassenen Landschaften siedelt der Leipziger Autor Clemens Meyer seine Erzählung „Die Glocken“ an. Ein Mann besucht an Weihnachten seine Mutter, die in einem der geräumten Dörfer lebt. In kleinen Rückblenden erinnert sich der Mann an seine Kindheit in dem Ort und an seinen einsamen Onkel.

„Dem Grund zu“ heißt die zweite Geschichte, in der ein Höhlenforscher verletzt immer tiefer in ein weitverzweigtes Höhlennetz kriecht. Es drängt ihm zum Grunde der Höhle und zu seinem Tod. Auch hier brilliert Clemens Meyer mit Rückblenden ins Leben des Höhlenforschers, erzählt von dessen Großvater, einem alten Bergmann,  und seinem Einfluss auf das Kind. Vor allem aber enthält diese Erzählung eine zusätzliche mystische Ebene.

Im Mittelpunkt der dritten Erzählung „Wo die Drachen wohnen“ steht hingegen ein Teenager. Da ihr Dorf von den „Drachen“ weggebaggert wurde, lebt sie in einer grauen Kleinstadt in der Nähe. Dort ist sie die Zugezogene, ebenso wie ihr Freund, der als Flüchtling vor den Balkankriegen in die Kleinstadt kam. Überall entdeckt sie Stäube: Staub, der über das alte Dorf weht, oder den Baustaub in den Kleidern ihres Freundes.

Ebenso eindrucksvoll wie die Texte sind die Fotografien von Bertram Kober, die im Band enthalten sind.

Wer auf der Suche nach Lesetipp ist, sollte sich auch das letzte Kapitel „Wozu Literatur“ aus der Feder von Clemens Meyer nicht entgehen lassen.

Faber & Faber ISBN 3867301589

 

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