Dana Grigorcea: Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen

"Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen" lautet der Titel des jüngsten Romans von Dana Grigorcea. Die aus Rumänien stammende Schriftstellerin zeichnet ein liebevolles Porträt der feineren Züricher Gesellschaft rund um die alternde Ballerina Anna.

Anna war einst eine gefeierte Primaballerina. Inzwischen tanzt sie vor allem Nebenrollen. Im Leben spielt sie dennoch bevorzugt Hauptrollen. Sie genießt das Flirten und den einen oder anderen Liebhaber. Ihr Mann, ein erfolgreicher Arzt, scheint es entweder nicht mitzubekommen oder zu stören. Die beiden führen eine scheinbar harmonische Ehe voller Einladungen zu Partys mit ebenfalls kunstbeflissenen und begüterten Freunden und Kollegen. "... und weil sie immer dasselbe sagten, meinten alle, sie führten eine glückliche Ehe."

Doch dann begegnet sie Gürkan, einem aus dem Irak geflohenen Kurden. Er ist sehr viel jünger als Anna und arbeitet als Landschaftsgärtner. Er passt so gar nicht in die Reihe ihrer bisherigen Liebhaber, löst aber in Anna lange nicht mehr gekannte Gefühle aus, die weit über die Befriedigung ihrer sehr großen Eitelkeit hinausgehen. Denn normalerweise ist jede Begegnung mit einem Liebhaber für Anna wie ein Bühnenauftritt, den sie ebenso grazil wie routiniert hinter sich bringt.

Doch reicht das, um einen auch offiziellen Neuanfang zu wagen? "Die Freiheit, sagte sie etwas leiser, befinde sich immer zwischen den Tanzschritten. Dort ende die Macht des Choreographen." Ob sich die beiden zwischen zwei Tanzschritten befinden, erfahren nur Leser dieses sehr feinen, schmalen Bändchens.

Dörlemann Verlag ISBN 9783038200550

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Veröffentlicht unter Belletristik, Rumänien, Schweiz

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