Dana Grigorcea: Die nicht sterben

Die Geister der Vergangenheit bevölkern den Roman „Die nicht sterben“ von Dana Grigorcea. Klug, einfühlsam und unglaublich fantasievoll erzählt die in Rumänien geborene Autorin vom Leben im Postkommunismus.

Graf Dracula, der in westdeutschen Jugendzimmern vor allem durch schaurig schlechte Filme Berühmtheit erlangte, scheint erneut sein Unwesen in einem kleinen Ferienort in den rumänischen Karpaten zu spielen. Zumindest wird eine Leiche auf dem Grab des historischen Fürst Vlad III: Draculae gefunden. Und dieses Grab liegt ausgerechnet in der Familiengruft der Ich-Erzählerin, einer jungen Malerin, die gerade ihr Studium in Paris beendet hat und ihre Großtante besucht. Die Großtante pflegt das großbürgerliche Erbe der Familie, zu der die Villa im Ferienort gehört, die die Familie nach dem Ende der Diktatur zurückbekommen hat.

Kaum wird die Leiche gefunden, holen die Ich-Erzählerin feuchte Träume mit dem Fürsten ein. Parallel träumen der alte und der neue Bürgermeister vom großen Geld, das sich mit dem Mythos um Graf Dracula machen ließe. Hat der Fürst nicht im 15. Jahrhundert Verbrecher pfählen lassen und damit die Walachei „befriedet“? Wäre so ein starker Mann an der Spitze eines Staates nicht eine Lösung, um die Korruption und die Verbrechen der Regierenden zu stoppen? Auch davon scheinen einige im Ort zu träumen.

Wenn man weiß, dass der kommunistische Diktator Nicolae Ceausescu den Spitznamen Dracula hatte, bekommt man einen Eindruck von dem Humor der Autorin. Mit Blick auf die sogenannten starken „Führer“ in Ungarn, Russland oder Weißrussland (um nur einige Beispiele zu nennen), folgt man den Sehnsüchten nach Mystik und Stärke im Roman mit einem zunehmend flauen Gefühl. Denn bei aller Fantasie steckt so viel gruselige Wahrheit in dem Buch.

„Die nicht sterben“ ist ein einziger Lesegenuss!

Penguin Verlag ISBN 9783 328601531

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