Daniela Krien: Muldental

Ist es Lokalpatriotismus, dass ich den Band "Muldental" der in Leipzig lebenden Autorin Daniela Krien voller Begeisterung ins Bücherregal stelle?
Keineswegs. In zehn Geschichten versteht es die Autorin, eine Bandbreite von Wendegeschichten mit Empathie und Tiefgang zu erzählen. In einer klaren und prägnanten Sprache schildert Daniela Krien Alltagsschicksale, die ihren Anfang zu DDR-Zeiten nehmen und teils tief in die Gegenwart reichen.

Voller Mitgefühlt liest man beispielsweise die Geschichte der Künstlerehefrau, die wenige Jahre vor der Friedlichen Revolution dem Druck der Stasi nachgibt und dafür den Rest ihres Lebens bezahlt. Oder Ludwig, der kurz vor dem Mauerbau seine kranke Schwester in den Westen schickt, damit sie dort eine bessere Behandlung erhält. Noch am Tag des Mauerfalls fährt er in die bayerische Klinik. Was folgt, ist ein hochemotionales Wiedersehen nach knapp 30 Jahren der Trennung. Was bleibt, ist die bange Frage, was wäre gewesen, wenn er sie nicht allein gelassen hätte? Selbst die Erzählung über den jugendlichen Mörder, der nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wird, gelingt ohne Pathos oder Anklage. Ergreifend ist auch die Erzählung zum Thema Abtreibung, denn die neue Gesellschaftsordnung erlaubt auch neue Freiheiten. Aber neue Freiheiten führen auch zu neuen Konflikten.

Wer sich auf zehn Einblicke in die gesamtdeutsche Realität einlassen möchte, dem sei "Muldental" ans Herz gelegt.

Graf Verlag, ISBN 9783862200221

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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