Das Debüt 2020: Meine Juryentscheidung

Fünf Bücher, die unterschiedlicher nicht sein können, gingen auch in diesem Jahr ins Rennen um den Bloggerpreis „Das Debüt“. Gewonnen hat den Preis „Streulicht“ von Deniz Ohde. Meine Punktevergabe findet ihr hier…

Platz 1

Lucia Leidenfrost: Die verlassenen Kinder

Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, weil die beiden Romane von Lucia Leidenfrost und Deniz Ohde im Rennen um den Bloggerpreis „Das Debüt“ 2020 extrem stark sind. Beide lassen die Lesenden tief eintauchen in die jeweilige Romanwelt, überzeugen sprachlich wie dramaturgisch. Am Ende ist für mich „Die verlassenen Kinder“ von Lucia Leidenfrost aus rein emotionalen Gründen das stärkere Debüt: Die Geschichte der zumeist in Osteuropa zurückgelassenen Kinder, weil die Eltern in ihrer Heimat keinerlei Überlebensperspektiven sehen und als moderne Sklavenarbeiter ihr Dasein fristen, bringt den ganzen Wahnsinn und die Fehlentwicklung unser Welt auf den Punkt. Mehr zum Buch…

Kremayr & Scheriau

 

 

Platz 2

Deniz Ohde: Streulicht

Mit „Streulicht“ hat Deniz Ohde ein tolles und wichtiges Buch über die deutsche Gesellschaft vorgelegt. Die Protagonistin des Romans hat ein doppeltes Handicap: Sie kommt aus einer armen Familie mit Migrationshintergrund. Eine Leben lang wird sie gegen diese Benachteiligung ankämpfen. Sprachlich dicht geschrieben, wünsche ich mir in den kommenden Jahren mehr Bücher aus dieser vielversprechenden Feder. Warum ordne ich sie dennoch „nur“ auf Platz 2 des Debütpreises ein? Weil Lucia Leidenfrost mit ihrem Roman mein Herz noch viel stärker berührt als es Deniz Ohde vermag. Mehr zum Buch…

Suhrkamp Verlag

 

 

 

Platz 3

Cihan Acar: Hawaii

Cihan Acar hat das Pech, starke Mitbewerber:innen zu haben. Denn „Hawaii“ ist ein beeindruckender Debütroman über die Behauptung eines jungen türkischstämmigen Mannes innerhalb seines Viertels, aber auch innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Unterm Strich sind die beiden Debüts von Lucia Leidenfrost und Deniz Ohde runder und stringenter erzählt. Auch in diesem Buch geht es im Übrigen um die fehlenden Perspektiven von Deutschen mit Migrationshintergrund, ein Thema, das dringend in die politische Debatte um die Reform des bundesdeutschen Bildungssystems und der Ausbildung von Lehrer:innen gehört. Mehr zum Buch…

Hanser Berlin

 

 

 

Nicht platziert:

David Misch: Schatten über den Brettern und Amanda Lasker-Berlin: Elijas Lied: Beide Romane fand ich vertane Lese- und Lebenszeit. Siehe

 

Verlag Duotinca und Frankfurter Verlagsanstalt

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