Dave Eggers: Ein Hologramm für den König

Schonungslos rechnet Dave Eggers in seinem jüngsten auf Deutsch erschienen Roman „Ein Hologramm für den König“ mit der westlichen Gesellschaft ab.

Der US-Amerikaner Alan Clay wagt einen beruflichen Neuanfang. Als Manager einer Fahrradmanufaktur hatte er selbst mitgewirkt am Aufbau einer Produktionsstätte in China, die am Ende als einzige Fahrradfabrik der Welt gilt. Alan Clay bleibt zunächst nur der Weg in die Arbeitslosigkeit. Sein Traum: Eine eigene kleine Fahrradmarke zu entwickeln. Doch dafür fehlen ihm die finanziellen Mittel. Er ist bereits hoch verschuldet und steht kurz vor der Pleite, als er die Chance erhält, für einen Bekannten den Vertrieb einer Hologrammsoftware zu übernehmen.

Als alter, erfahrener Hase soll er ein Team von jungen, dynamischen Experten anleiten, die das Hologramm König Abdullah von Saudi-Arabien präsentieren sollen. Mit der Provision wäre Alan Clay seine Sorgen los. Doch der König ist schwer zu fassen. Aus Sicherheitsgründen? Auch. Vor allem aber, weil die Wettbewerber aus Asien auch in diesem Bereich dem alternden, abgetakelten westlichen Management mindestens einen Schritt voraus sind.

Dave Eggers porträtiert nicht nur das Scheitern eines Mannes, er zeigt zugleich das Scheitern unserer Gesellschaft auf. Und ganz nebenbei beleuchtet er auch die arabische Arbeitswelt, die ebenfalls keinerlei Vorbildcharakter zu haben scheint. Dem US-Amerikaner ist ein tiefsinniger und dennoch unterhaltsamer Rundumschlag gelungen.

Kiepenheur & Witsch, eBook ISBN 9783036992242

Getagged mit: ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Saudi Arabien, USA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen Sie Ruth liest