David Diop: Nachts ist unser Blut schwarz

Mit dem International Booker Prize 2021 ausgezeichnet: David Diops Roman „Nachts ist unser Blut schwarz“ übersetzt von Andreas Jandl führt zurück in einer der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte.

Ein viel zu lange unbeachtetes Kapitel des Kolonialismus ist der Missbrauch der afrikanischen Bürger als Soldaten der europäischen Armeen im Ersten Weltkrieg.

Alfa, der Protagonist des Romans, wird eines Tages gemeinsam mit seinem Jugendfreund Mademba von der französischen Kolonialarmee aus ihrem Dorf im Senegal zwangsrekrutiert und in die Schlacht geschickt.

Mit Absicht schürt Frankreich den Ruf seiner schwarzen Soldaten als Wilde, vor denen sich die gegnerischen Soldaten fürchten sollen. Dabei fürchten sich alle Soldaten vor dem Wahnsinn des Stellungskrieges gleichermaßen. Alfa und Mademba wollen den Krieg einfach nur überleben und nach Hause zurückkehren.

Als Mademba tödlich getroffen wird und langsam neben Alfa stirbt, fängt er an, über seine Situation nachzudenken. „… ich hatte verstanden, dass ich alles denken konnte, was ich wollte, vorausgesetzt, die anderen wussten nichts davon.“  …. „Und ich denke, dass alle wollen, dass ich nicht denke.“

Alfa nimmt Rache an den Mördern seines Freundes und wird zum Klischee des Wilden, der er ganz und gar nicht ist. Anfangs als Held von seinem Kameraden gefeiert, halten sie ihn zunehmend für verrückt und fürchten sich vor ihm. Er wird von seinem Offizier hinter die Front ins Lazarett geschickt und entkommt so dem weiteren Schlachten. Seinen Gedanken und vor allem Schuldgefühlen gegenüber Mademba entkommt aber nie mehr.

„Nachts ist unser Blut schwarz“ ist ein düsterer Roman mit einer unbeschreiblichen Sogkraft. Das Grauen des Krieges und der Kolonialisierung ist in jeder Zeile zu spüren.

Der Roman des französischen Schriftstellers David Diop ist ein großartig geschriebenes Psychogramm und zugleich eine längst fällige Geschichtslektion.

Aufbau Verlag ISBN 9783841218483

 

 

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