David Grossmann: Was Nina wusste

 

„Was Nina wusste“ und was sie nicht wusste, entscheidet über ihr ganzes Leben und sogar noch über das Leben ihrer Tochter Gili. Der Roman „Was Nina wusste“ von David Grossmann beginnt in den 60er-Jahren in einem Kibbuz in Israel. Doch in der Geschichte geht es nicht um Israel, sondern um Jugoslawien unter Marschall Tito.

Der israelische Schriftsteller David Grossmann verarbeitet in dem Roman die wahre Geschichte der Eva Panić-Nahir, die knapp drei Jahre ihres Lebens auf der Straflager-Insel Goli Otok „Nackte Insel“ eingesperrt war.

Im Roman heißt die Titelfigur Vera, geboren 1918. Sie stammt aus einer gutbürgerlichen ungarisch-jüdischen Familie, die in einer Kleinstadt bei Belgrad aufwächst. Sie verliebt sich in den serbischen Soldaten Miloš, den sie auch heiratet. 1945 wird ihre gemeinsame Tochter Nina geboren.

Miloš und Vera sind überzeugte Kommunisten. Während des Zweiten Weltkrieges verhelfen sie vielen Mitkämpfern und Bedrohten zur Flucht. Miloš gilt als Kriegsheld und wird in der Nachkriegszeit hoch geehrt bis Tito sich von Stalin und der Sowjetunion abkehrt und mit der gnadenlosen Verfolgung vermeintlicher Stalinisten beginnt.

Wer in Verdacht gerät, Stalinist zu sein, kommt in eines der Straflager des Marschall Tito. So Vera landet auf der „Nackten Insel“ Goli Otok. Nina ist sechs Jahre alt, als ihr Vater in Gefangenschaft Selbstmord begeht und ihre Mutter verhaftet wird. Als sich Mutter und Tochter drei Jahre später wieder treffen, steht ein großes Geheimnis zwischen ihnen, das erst nach Jahrzehnten gelüftet wird.

Vera wandert mit Nina nach Israel aus und findet dort ein zweites Zuhause. Nina aber kommt nie irgendwo an, verlässt sogar ihre dreijährige Tochter Gili, um in die Welt zu ziehen. Es scheint, als ob Verrat und Verletzung sich von Generation zu Generation fortsetzen. Das Gift der Gewaltregime wirkt auch Jahrzehnte noch fort.

Mit „Was Nina wusste“ gelingt es David Grossmann erneut, ein sehr berührendes, ergreifenden Buch über die Fehlbarkeit von uns Menschen zu schreiben, ohne seine Protagonisten zu richten.

Carl Hanser Verlag ISBN 9783446268494

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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