David Guterson: Ed King

"Schnee, der auf Zedern fällt" war ein Weltbestseller und ein Meisterwerk von David Guterson. Meine Erwartungen an sein jüngstes Werk "Ed King" waren entsprechend hoch.

Der Roman beginnt 1962. Walter, ein Versicherungsmathematiker, muss seine kleinen Kinder versorgen während seine Frau mit Depressionen in der Klinik liegt. Ein minderjähriges Au-pair, Diane, soll ihm dabei helfen. Walter und Diane beginnen ein Verhältnis, das abrupt endet, als Walters Frau aus der Klinik entlassen wird. Diane ist schwanger und erpresst Walter für den Rest seines Lebens, obwohl sie das Kind aussetzt. In den folgenden Jahren heiratet sie einen reichen Mann. Der entdeckt ihre Lügen und Betrügereien, so dass er sich von ihr scheiden lässt. Um nicht in Armut abzugleiten, wird sie Drogendealerin. Trifft aber dann einen Märchenprinzen, einen jüngeren, unglaublich reichen Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlt.

Ihr ausgesetztes Baby wird von einem wohlhabenden, kinderlosen Paar adoptiert und heißt fortan Ed King. Er gerät vor lauter Protest gegen die bürgerliche Welt der Eltern auf die schiefe Bahn. Ein Unfall, den er als junger Mann nachts betrunken verursacht, führt zum Tode des Unfallgegners. Ein Weckruf für Ed, der sich ab sofort dem Aufbau seiner Karriere widmet. Er wird einer der größten und reichsten Internetunternehmer der Welt. Schließlich verliebt er sich in eine ältere Frau, mit der er viele Jahre verheiratet ist. Mit über 50 gelingt es ihm eher zufällig alle Schicksalsfäden seines Lebens zu verknüpfen. Ed hat bei dem Unfall seinen Erzeuger getötet und die Frau an seiner Seite ist seine leibliche Mutter. Klingt kitschig. Ist es aber nicht.

David Guterson gelingt es, an Hand der drei Menschen - Mutter, Vater, Kind - den amerikanischen Mittelstand und seine Vorstellungen von Glück und Moral zu skizzieren. Wobei das Glück hier für die Erfüllung des amerikanischen Traums von Wohlstand, Ansehen und bürgerlicher Sicherheit steht. Egoistisch und skrupellos verfolgen alle drei ihre Ziele. Sie erlangen zwischenzeitlich auch traumartige Zustände, doch am Ende bleibt nichts als Betrug, Schmerz und Einsamkeit.

Der Roman ist gewohnt brilliant geschrieben. Die Lektüre packt einen und doch fehlt mir dieses letzte Quäntchen, das "Schnee, der auf Zedern fällt" ausgemacht hat.

Hoffmann und Campe ISBN 9783455403626

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Veröffentlicht unter Belletristik, USA

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