Didi Drobna: Was bei uns bleibt

Wie sehr das Dritte Reich bis zum heutigen Tage das Leben der Zeitzeugen und ihrer Nachkommen beeinflusst, zeigt Didi Drobna in ihrem Roman „Was bei uns bleibt“.

Großmutter Klara und ihr 32-jähriger Enkelsohn Luis leben zusammen in einem Haus in einem österreichischen Dorf. Als sich Luis schwer verletzt und kurzzeitig ins Krankenhaus muss, wird Klara bewusst, wie wenig der Enkel von ihrem Leben weiß, obwohl sie ihn großgezogen hat.

Abwechselnd mit den Kapiteln zum aktuellen Geschehen erzählt Didi Drobna in Rückblenden von Klaras Leben zwischen August 1944 und Mai 1945. Nach dem Tod des geliebten Vaters verlässt Klara das Elternhaus. In Hirschberg findet sie eine Arbeit in einer Munitionsfabrik. Anfangs ist sie stolz auf ihre Tätigkeit und ihren Beitrag zum Sieg der Wehrmacht.

Doch dann wird ein sogenanntes Arbeitslager direkt neben dem Fabrikgelände errichtet. Die Insassinnen sollen die Produktivität der kriegswichtigen Munitionsfabrik steigern. Klara und ihre Freundinnen entwickeln schnell Mitleid mit den offensichtlich stark hungernden und von ihren Bewachern misshandelten Frauen. Klara empfindet eine starke Bindung zu der ihr zugeteilten Lujza Majer, einer aus der Tschechoslowakei stammenden Jüdin.

Die ganze Brutalität des auf Vernichtung angelegten Systems offenbart sich ihnen erst, als eine der Frauen vor ihren Augen zusammengeschlagen wird. „Es hatte sich etwas verändert. Bisher hatten wir gut gelebt in Hirtenberg. Und nun lernten wir, dass dies eine Illusion war. Wir dachten, wir wären wichtig. Aber das waren wir nicht. Wir waren Ameisen. Der Absatz der Edda Schild und die Stiefel des Hauptsturmführers Lange würden uns jederzeit zerdrücken, und niemand würde uns schützen. Nicht einmal Direktor Schwarz.“

Als im April 1945 die Front naht, werden die wichtigsten Teile der Fabrik mit einem Teil des Personals per Zug Richtung Alpenfestung evakuiert. Die restlichen Arbeiterinnen, darunter Klara, bleiben zurück. Die KZ-Aufseher:innen zwingen Hunderte Häftlinge zum Marsch Richtung …. Klara, die nichts mehr in Hirtenberg hält, und sich sorgen um Lujza macht, folgt der Kolonne tagelang.

Nach Jahrzehnten des Schweigens unternimmt Klara mit ihrem Enkel die Reise zurück nach Hirtenberg.

„Die Erinnerung an all diese Menschen beruhigte und quälte sie. Sie wollte zu ihnen. Sie wollte zu den Menschen, die sie liebte. Es tat ihr leid, dass sie dafür Luis zurücklassen musste. Er war ihr ganzer Stolz, ihr Leben. Alles hatte sie ihm gegeben.“ Auch ihre Erinnerungen…

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

Piper Verlag ISBN 9783492070522

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