Dina Nayeri: Ein Teelöffel Land und Meer

Dina Nayeris Roman „Ein Teelöffel Land und Meer“ spielt im Iran unter der Regierung der Mullahs. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Saba Hafezi, die in einem Dorf in der Provinz aufwächst. Ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester verschwanden im Sommer 1981. Ihre Erinnerungen an den letzten Tag mit ihrer Familie sind bruchstückhaft und verfolgen sie noch lange als Erwachsene.

Saba wächst bei ihrem Vater, einem Christen auf. Als Großgrundbesitzer weiß er die Mächtigen so zu pflegen, dass er und seine Tochter unbehelligt im Iran leben können. Das Mädchen ist schwer traumatisiert vom tödlichen Badeunfall ihrer Schwester, den sie nicht wahr haben will, und von der gescheiterten Flucht ihrer Mutter außer Landes. Ihre Mutter wollte mit Saba in die USA reisen, um ihre die Freiheiten zu ermöglichen, die es im neuen Iran nicht mehr gab.

Für Saba bleibt der Traum von einem besseren Leben in Amerika immer virulent. Sie erträgt gemeinsam mit ihren beiden besten Freunden einiges, weil sie sich immer wieder in ihre Traumwelt zurückzieht. Die reale Welt in Gestalt eines brutalen Ehemanns und einer Gesellschaft, die ihr als Frau kaum Raum für persönliche Freiheit lässt, dringt immer mehr in ihre Seele ein. So erlangt Saba nach einigen Umwegen und mit viel Mut alle nötigen Papiere für eine Ausreise, die hoffentlich glücklicher endet als die ihrer Mutter.

Der Roman überzeugt vor allem an den Stellen, an denen er die schmerzliche Trennung von der Zwillingsschwester und seine Folgen schildert. Sehr gelungen sind auch die Passagen, in denen Saba versucht die Vernunft über ihren Bauch siegen zu lassen. Allerdings gibt es auch sehr kitschige Passagen, die an klassische Frauenromane erinnern.

Mare, ISBN 9783866483019

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Veröffentlicht unter Belletristik, Iran, USA

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