Drago Jancar: Wenn die Liebe ruht

Drago Jančar – der wohl bekannteste zeitgenössische slowenische Schriftsteller sollte zur Leipziger Buchmesse 2020 zu Gast sein bei der „Schwerpunktregion 2020-2022. Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“. Ein perfekter Anlass für mich, endlich eines seiner Bücher in die Hand zu nehmen. Meine Wahl fiel auf „Wenn die Liebe ruht“, im Original 2017 erschienen, brachte der Paul Zsolnay Verlag den Roman 2019 in einer Übersetzung von Daniela Kocmut, in den deutschsprachigen Buchhandel.

Drago Jančar beginnt seinen Roman im Jahre 1944 in der slowenischen Stadt Maribor. Die Liebe der Medizinstudentin Sonja und ihres Freundes, dem Geodesie-Dozenten Valentin, wird je zerrissen. Valentin, der als Partisan in den Bergen kämpft, wird verhaftet und in ein Gefängnis der deutschen Besatzer gebracht. Der SS-Oberstrumbandführer Ludwig (oder Ludek) ist zufällig mit Sonja bekannt und nutzt die Situation aus.

Valentin wird entlassen und kann zurück in die Berge, findet dort aber seine Partisanenkollegen in heller Panik wieder. Ihre Angst bezieht sich natürlich auf die Wehrmacht, aber fast noch mehr auf die Fanatiker in den eigenen Reihen, die überall Feinde wittern und die sogenannten Verräter töten. Diese Kapitel des Buches bieten bereits einen Vorgeschmack auf die Nachkriegszeit in Slowenien unter kommunistischer Herrschaft.

Da Valentin sein Versprechen gegenüber Ludwig nicht eingehalten hat und zu den Partisanen zurückgegangen ist, lässt Ludwig Valentins Vater verhaften und Sonja in ein KZ überstellen. Wie das für die beiden ausgeht, möchte ich nicht verraten.

Verraten will ich aber, dass Drago Jančar ein literarisches Glanzstück gelungen ist. Meisterhaft erzählt er von Gejagten und Jägern, die schnell zu Jägern und Gejagten werden.

Paul Zsolnay Verlag ISBN 9783552059658

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