Einar Már Gudmundsson: Engel des Universums

In "Engel des Universums" zeichnet Einar Már Gudmundsson den Weg seines Bruders Páll in den Wahnsinn nach. Er lässt Páll selbst seine Lebensgeschichte bis zum Ende durch Selbstmord beschreiben. Ein erzählerischer Kniff, der den Leser ungemein berührt.

Der künstlerisch begabte Gymnasiast fängt als Teenager an, Wahnvorstellungen zu entwickeln, die ihn immer tiefer in die Abgründe der isländischen Psychatrie der 60iger bis 80iger Jahre führen. Mit Spritzen und Stromschlägen versucht das Personal der "Irrenanstalt" Kleppur Páll zu kurieren. Immer wieder wird er als geheilt entlassen. Und ebenso oft wieder eingewiesen, weil er erneut überzeugt ist, Vincent van Gogh oder Paul Gaugin zu sein. Angstphantasien lähmen Páll zusätzlich und machen ihn auch außerhalb der Anstalt zum Außenseiter und Gefangenen. Trotzdem gibt es heitere Szenen und positive Erlebnisse. Am Ende jedoch siegt die Verzweiflung.

Gudmundsson setzt seinem Bruder mit diesem Roman ein sprachgewaltiges und rührendes Denkmal. Zugleich klagt er das irrsinnige System der Wahnsinnsbekämpfung an.

btb Verlag, Verlagsgruppe Random House Bertelsmann, 2000, ISBN 3 446 19112 7

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Veröffentlicht unter Belletristik, Island

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