Eowyn Ivey: Das Schneemädchen

Die erste Geburtstagslektüre: Dank Claudia durfte ich mich von dem Roman "Das Schneemädchen" verzaubern lassen.

Eowyn Ivey, eine Autorin aus Alaska, erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte eines alternden Ehepaars - Mabel und Jack, das sich 1920 in der Wildnis Alaskas ansiedelt. Sie suchen die Einöde, weil sie in ihrer innerlichen Einsamkeit gefangen sind. Zu schwer wiegt das Trauma der Todgeburt ihres einzigen Kindes.

Zunächst geht alles schief. Sie sind trotz landwirtschaftlicher Erfahrung nicht in der Lage, eine Farm unter den Bedingungen des eisigen Nordens zu führen. Tatkräftige Hilfe in ihrem Leid erhalten sie von ihren Nachbarn, die bald die besten Freunde werden. Vor allem Mabel, die mit einer Depression zu kämpfen hat, blüht ein wenig auf.

Lebensfreude aber bringt dem Ehepaar erst das "Schneemädchen". Anfangs halten sie das Mädchen für eine Halluzination, die aus ihrer Sehnsucht nach eigenen Kindern entstanden ist. Monatelang kommt das Kind sporadisch zu Besuch, bleibt zum Essen oder spielt mit den beiden. Doch keiner der Nachbarn erblickt auch nur eine Fußspur des Kindes. Daher argwöhnen sie, dass Mabel und Jack unter Wahnvorstellungen leiden.

Auch der Leser hält das Mädchen lange für eine Märchengestalt. Zumal Mabel in der Erzählung immer wieder an sich zweifelt. Sie liest ihr altes russisches Kinderbuch, indem ein "Schneemädchen" einem alternden, einsamen Ehepaar begegnet, aber im Sommer verschwindet und am Ende der Geschichte schmilzt.

So viel sei verraten, bei Eowyn Ivey schmilzt das Mädchen nicht. Sie geht ihren eigenen Weg, der für die Menschen, die sie lieben, nicht immer einfach ist.

Die 450 Seiten des bezaubernden Romans vergehen wie im Flug und eh man es sich versieht, hat man eine Menge über Alaska vor 100 Jahren und den Menschen als soziales Wesen gelernt.

Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 9783499258220

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Veröffentlicht unter Alaska, Belletristik

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