Ernst-Wilhelm Händler: Der Überlebende

Mit seinem Roman „Der Überlebende“ führt der Autor Ernst-Wilhelm Händler den Leser in die Arbeits- und Lebenswelt von heute.

Im Mittelpunkt des Buches steht der Leiter eines neu eröffneten Werkes in Leipzig. Er arbeitet für einen multinationalen Konzern und ist das Zerrbild eines modernen Managers. Skrupellos geht er buchstäblich über Leichen, um seine beruflichen Ziele zu erlangen. Die totale Überwachung seiner Arbeitskollegen durch ihn wirkt angesichts seiner anderen Verbrechen fast schon als Kavaliersdelikt. Das Wissen um das eigene Fehlverhalten führt unweigerlich zum totalen Misstrauen allen anderen Mitmenschen gegenüber. Entsprechend kaputt stellt sich sein privates Umfeld dar. Auch hier ist ihm jedes Mittel recht, das zum Erreichen seiner Ziele führt.

Beim Lesen des sehr klugen Buches gab es so manche Stelle, die mich an die eigenen beruflichen Erfahrungen erinnerten. Die Angst des einen oder anderen Kollegen, Verantwortung zu übernehmen und sich persönlich immer abzusichern. Die Verlogenheit vermeintlicher Kollegenfreundschaften, wenn ein „Schuldiger“ gesucht wird. An der einen oder anderen Stelle möchte man laut loslachen. Meistens jedoch bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil unsere Arbeitswelt in weiten Teilen zu krank ist, um lustig zu sein.

S. Fischer, ISBN 9783104024301

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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