Eshkol Nevo: Die Wahrheit ist

Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters, diese Erkenntnis ist nicht neu. Aber wie der israelische Autor Eshkol Nevo diese Erkenntnis in seinem Roman „Die Wahrheit ist“ aufbereitet, ist schlicht genial, witzig, traurig und berührend.

Ein Bestsellerautor, Mitte 40, erreichen mitten in seiner Lebenskrise zahlreiche Fragen einer Online-Redaktion. Der Schriftsteller im Roman heißt zufällig oder auch nicht Eshkol Nevo, wohnt in Israel, ist verheiratet und hat drei Kinder. Bereits seit einigen Jahren bringt er keinen neuen Roman zustande und damit er zumindest den Anschein der Produktivität auch vor sich selbst wahrt und gleichzeitig die private Not ihn zu einem Rückblick auf sein Leben nötigt, antwortet er auf die Fragen der Online-Plattform zu seinem Schreiben und Leben.

Er berichtet von seiner Schreibblockade, dem Sterben seines besten Freundes, der Entfremdung seiner Ehefrau und der ältesten Tochter, den Verlustängsten, aber auch den eigenen Unzulänglichkeiten, Lebenslügen und kleinen Begradigungen der eigenen Geschichte. Gleichzeitig erzählt er sehr amüsante Geschichten rund um den Literaturbetrieb und Lesereisen.

Sind seine Antworten wahrheitsgemäß? Bis zur letzten Zeile ist das nicht klar. Tatsächlich ist es unwichtig, ob hier der echte Eshkol Nevo aus seinem Leben plaudert oder eine fiktive Romanfigur gleichen Namens. Denn die Antworten des Menschen, Schriftstellers, Freundes, Ehemanns und Vaters enthalten so viele reflektierte, schonungslose und universell gültige Wahrheiten über das Leben, die Liebe, die Freundschaft und das Schreiben, dass das Ende des Romans viel zu schnell kommt.

Wer sich traut, einen schonungslosen Blick auf die eigenen Wahrheiten und Unwahrheiten zu werfen, dem sei der sehr nachdankenswerte und dennoch unterhaltsame Roman ans Herz gelegt.

dtv Verlagsgesellschaft ISBN 9783423282192

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