Eva Menasse: Dunkelblum

1989 – mit diesem Jahr verbinden wir Deutschen den Mauerfall in Berlin am 9. November. Doch schon Monate vorher bröckelten die Grenzbefestigungen zwischen Österreich und Ungarn. Eva Menasse lenkt in ihrem jüngsten Roman „Dunkelblum“ unseren Blick auf die gleichnamige Kleinstadt am äußersten Ende Österreichs. Erste DDR-Flüchtlinge überwinden die noch bestehende Grenze zwischen Ungarn und Österreich.

Vor diesem Hintergrund spielt der Roman. Allerdings ist die Grenzöffnung nur ein Randthema, dass die Kleingeistigkeit der Menschen zeigt. Vor allem geht es um eine einstige Jugendgang, die schon vor der Herrschaft der Nazis in Österreich ihre Brutalität gegenüber ihren Mitmenschen auslebte. Mit den Rassengesetzen verlieren die damals jungen Männer gänzlich ihre Hemmungen. Natürlich werden sie dafür nicht bestraft, sondern weitgehend unter der sowjetischen Besatzung ab 1945 auch noch belohnt. Die Systeme ändern sich, die Menschen nicht.

Zum weiteren Personal des Romans gehören die ehemaligen jüdischen Mitbewohner:innen, Zwangsarbeiter:innen sowie Student:innen des Jahres 1989 und natürlich die schweigende Mehrheit.

Das alles ist nicht neu? Stimmt! Und dennoch ist es das pure Vergnügen, den Roman von Eva Menasse zu lesen. Er ist einer wunderbar humorvollen Sprache gekleidet. Trotz des ernsten Hintergrundes verleitet das Buch zu so manchem lauten Lachen.

Verlag Kiepenheuer & Witsch ISBN 9783462303582

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