Fatma Aydemir: Ellbogen

"Wegen der Ellbogen, die uns das Leben reingerammt hat, immer wieder, und immer noch. Überall nur Ellbogen von denen, die stärker sind als wir“. Dieser Schlüsselsatz bringt das Lebensgefühl von Hazal und ihren Freundinnen Elma und Gül auf den Punkt. "Ellbogen“ lautet folgerichtig der Titel von Fatma Aydemirs Debütroman.

In einem locker witzigen Ton beginnt der Roman um Hazal, einer 17-jährigen Deutsch-Türkin in Berlin. Hazal will ihren 18. Geburtstag gemeinsam mit den Freundinnen in einem angesagten Berliner Club verbringen. Ihre Eltern würden das nie erlauben. Mithilfe ihrer Tante darf sie dann doch bei ihrer Freundin übernachten, aber natürlich muss sie versprechen, das Haus nicht zu verlassen. Selbstredend machen sich die Freundinnen auf den Weg in den Club und scheitern an den Türstehern. Auf dem Rückweg durch das nächtliche Berlin schlägt die Stimmung und damit die Tonalität des Romans um.

Vom heiteren Jugendroman mit ein paar Seitenhieben auf die deutsch-türkische Familie entwickelt sich die Geschichte binnen Minuten zu einem ausgewachsenen Drama. Die drei Mädchen treffen am U-Bahnsteig einen Studenten. Alle Wut und Frustration, dass sie nirgendwo dazu gehören, kulminieren an einem Punkt. Sie prügeln und treten auf den jungen Mann ein.

Hazal erkennt schnell, dass sich diese Tat rächen wird und flieht zu ihrem Facebook-Freund nach Istanbul. Doch auch hier ist sie eine Fremde, eine Fremde auf der Flucht vor sich selber. "Mein Name ist Hazal Akgündüz, mein Thema lautet: Überleben“, schreibt Fatma Aydemir. Ob Hazal das Überleben gelingt, bleibt offen. Der Roman endet in der Nacht des Putschversuches im Juli 2016.

Zu Beginn hat mich der Roman nach all den positiven Rezensionen nicht sehr überzeugt. Zu seicht plätschert er vor sich hin. Doch dann nimmt die Geschichte fahrt auf und ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Warmherzig erzähle die Autorin, heißt es im Klappentext. Und ausnahmsweise hat der Klappentextautor damit recht.

Carl Hanser Verlag ISBN 9783446254411 

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland
5 Kommentare auf “Fatma Aydemir: Ellbogen
  1. monerl sagt:

    Liebe Ruth,
    jetzt bin ich absolut überzeugt, dass ich dieses Buch wirklich auch lesen muss! Ich verfolge es über einige Rezensionen schon eine Weile. Da du nun schreibst, dass es dich doch noch so sehr in seinen Bann gezogen hat, obwohl der Einstieg nicht so gut war, führt jetzt kein Weg dran vorbei. 🙂
    Danke und liebe Grüße vom Monerl

  2. Sabine sagt:

    Ein wirklich tolles Buch, habe es ebenfalls sehr sehr gerne gelesen. Falls Du schauen magst:
    https://bingereader.org/2017/04/12/ellbogen-fatma-aydemir/
    Es hat mich ein wenig an „Tigermilch“ erinnert von Stefanie de Velasco, vielleicht wäre das auch was für dich? Liebe Grüße 🙂

  3. Infraredhead sagt:

    Schöne Rezension! Ich fand „Ellbogen“ auch sehr gelungen.

    Meine Besprechung findest du hier:
    https://travelwithoutmoving.de/ellbogen-von-fatma-aydemir/

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