Fernando Aramburu: Patria

Alle Welt spricht seit 9/11 vom Terror. Dabei meint sie fast immer den islamistischen Terror. Den will ich sicher nicht klein reden. Aber auch das christliche Europa hat intime Kenntnisse vom Terror, hat ihn ausgeübt und dazu geschwiegen. Das hat sein langem kein Schriftsteller mehr so brilliant beschrieben wie Fernando Aramburu in seinem Roman "Patria".

Patria ist das spanische Wort für Heimat. Und um Heimat und Identität dreht sich der Baskenkonflikt, der das Baskenland, Spanien und das angrenzende Frankreich jahrzehntelang in Atem gehalten hat.

Warum nehmen sich einige wenige heraus über Leben und Tod zu entscheiden? Wie reagieren, wenn es der eigene Nachbar ist, der den Tod bringt und der andere Nachbar im Namen der "nationalen Selbstbestimmung" ermordet wird? Sich wehren oder schweigen?

In Aramburus atemberaubend fesselnden Roman entscheiden sich die meisten jahrzehntelang für das Schweigen. Als endlich die Witwe eines von baskischen Terroristen Ermordeten ihr Schweigen bricht, indem sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt, brechen die alten Wunden auf. Zwar werden die ehemaligen Terroristen in der Öffentlichkeit längst nicht mehr als Volkshelden gefeiert, die alten Netzwerke und das altbekannte Schweigen schützte sie dennoch viel zu lange vor der Strafverfolgung.

Neben den schriftstellerischen Qualitäten des Buches, gelingt es dem Autor den ehemaligen Helden der "Euskadi Ta Askatasuna", besser bekannt als ETA, die Maske vom Gesicht zu ziehen und sie als Verbrecher zu zeigen. Bis zu ihrer Selbstauflösung vor ein paar Tagen, am 2. Mai 2018, war sie eine marxistisch-leninistische, separatistische baskisch-nationalistische Untergrundorganisation.

Bevor wir uns also über die Mythen anderer Kulturen, Religionen und Nationen aufregen, sollten wir erstmal mit unseren europäischen Märchen aufräumen. Schriftsteller wie Fernando Aramburu tragen ihren Teil dazu bei und haben viele Leser verdient.

Rowohlt Verlag ISBN 9783498001025

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Veröffentlicht unter Belletristik, Spanien

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