Fuminori Nakamura: Der Dieb

Ab und an muss ich einfach einen Kriminalroman lesen. Wenn dieser dann auch noch so intelligent gestrickt ist wie "Der Dieb" von Fuminori Nakamura, ist die Lektüre eine wahre Freude.

Held des Kriminalromans ist der Taschendieb Nishimura. Er lebt allein in Tokyo in einer heruntergekommenen Gegend. Bei seinen Streifzügen durch die Stadt sucht er vor allem betuchte Opfer. Geschickt stiehlt er ihnen ihre Brieftaschen, nimmt aber immer nur das Bargeld heraus. So ist er unabhängig von Mitwissern oder -tätern. Mit dem Bargeld bezahlt er seinen Lebensunterhalt.

Als er eines Tages einen kleinen Jungen in seinem Viertel beim Diebstahl im Supermarkt erwischt, entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden. Der Junge sehnt sich nach einem Vater. Die Vaterfigur, die ihm das "ehrliche" Stehlen beibringt, kommt gerade recht. Denn seine Mutter prostituiert sich, um ihrem Freund das Leben zu finanzieren. Zu allem Überfluss schlägt der Freund auch noch seinen Stiefsohn. Nishimura versucht dem Jungen zu helfen und ihm eine Perspektive, in Form einer Unterbringung außerhalb der Familie zu ermöglichen.

Doch jede Bindung an Menschen ist ein Risiko. Der Mafiaboss Kizaki nutzt diese Chance und erpresst den Dieb. Er soll in seinem Auftrag drei sehr spezielle Diebstähle begehen. Danach soll er frei sein.

Wer welche Freiheit oder Unfreiheit innerhalb der offiziellen wie inoffiziellen Gesellschaft in Japan erhält, lohnt sich zu lesen. Fuminori Nakamura ist ein spannender Gesellschaftsroman in Gestalt eines Krimis gelungen.

Diogenes Verlag ISBN 9783257607086

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Veröffentlicht unter Belletristik, Japan

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