Grigori Kanowitsch: Die Freuden des Teufels

Die vielfältige litauische Geschichte und gesellschaftliche Zusammensetzung spiegeln sich in Person und Werk von Grigori Kanowitsch wider.

Als jüdischer Litauer geboren, schreibt er nach dem Exil in der Sowjetunion vor allem auf Russisch und emigriert nach der litauischen Staatsgründung Anfang der 90er-Jahre nach Israel. Hier entstand auch sein Alterswerk „Die Freuden des Teufels“.

Und der Teufel freut sich ganz besonders am 22. Juni 1941 - dem Tag, an dem die Wehrmacht Litauen besetzte und in den folgenden Tagen, an denen schätzungsweise 200.000 Juden von ihren litauischen Landsleuten zusammen getrieben und ermordet wurden.

Grigori Kanowitsch schildert diese Tage der Hatz aus der Sicht von jüdischen wie christlichen Litauern, die versuchen, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Stellenweise muss man das Buch zur Seite legen, weil das Ausmaß des Mordens so unfassbar ist.

Geradezu unerträglich menschlich kommt das mörderische Personal in Kanowitschs Roman daher. Viele haben ihrerseits unglaubliches Leid unter der sowjetischen Besatzung erlitten, nehmen simpel Rache, haben Angst, wieder zu den Verlierern zu gehören oder wollen endlich einmal auch "jemand" sein.

Leider ein zeitlos gültiger Roman.

Corso in der Verlagshaus Römerweg GmbH ISBN 9783737407366

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Veröffentlicht unter Belletristik, Litauen

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