Gunnar Cynybulk: Das halbe Haus

Polina, Frank und Jakob - drei Generationen einer Familie leben 1981 in einem Haus in Leipzig. Gunnar Cynybulk schildert in seinem bereits 2014 veröffentlichten Roman ein Familiendrama rund um Vertreibung und Flucht im 20. Jahrhundert.

Polina, die Großmutter, ist am Schwarzen Meer aufgewachsen und vor den russischen Soldaten heim ins Reich geflohen. Ihre Geschichte liest sich wie so viele Frauenschicksale in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Bis zum Ende ihres Lebens verrät sie ihren drei Söhnen nicht, dass Frank der Sohn eines russischen Soldaten ist, den sie sehr geliebt hatte.

Frank ist von Anfang an das eigensinnigste ihrer Kinder. Als seine Frau, Jakobs Mutter, sehr jung an Krebs stirbt, verliert er zeitweilig den Halt. Das mündet in einem übermäßigen Alkoholgenuss und in immer radikaler Kritik an der DDR. Er sucht vergeblich nach Fluchtwegen.

Erst als Polina Rentnerin wird, ergibt sich die wage Möglichkeit der Familienzusammenführung. So überredet er seine Mutter in die Bundesrepublik Deutschland überzusiedeln und dort einen Antrag auf Familienzusammenführung zu stellen, damit er und sein Sohn Jakob ebenfalls ausreisen können.

Polin übersiedelt zwar, fühlt sich aber in Westdeutschland lange nicht wohl. Alle Söhne und Enkel leben schließlich in der DDR. Jakob, zu Beginn der Geschichte 11 Jahre alt, ist glücklich und zufrieden mit seiner Familie, seinen Freunden und seinen Lebensumständen. Er träumt von einer Karriere als Leichtathlet, gleichzeitig vermisst er seine Großmutter.

Da Franks Hoffnung auf Ausreise nicht erfüllt wird, führt er gemeinsam mit einem Freund eine Protestaktion durch. Erst im Gefängnis wird ihm langsam klar, was er seinem Sohn und seiner frischangetrauten zweiten Frau damit angetan hat.

Sehr eindrucksvoll verknüpft Gunnar Cynybulk, die private Familiengeschichte mit dem Leiden an den politischen Verhältnissen.

DuMont Buchverlag ISBN 9783832187750

Veröffentlicht unter Allgemein, Belletristik, Deutschland

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