Han Kang: Die Vegetarierin

Alle Welt scheint in diesen Wochen über Han Kangs Buch „Die Vegetarierin“ zu sprechen und zu schreiben. Mehrere internationale Preise hat die südkoreanische Autorin dafür erhalten und das völlig zu Recht, wie ich finde.

Südkorea ist das Land des technischen Fortschritts. Ein High-Tech-Land, dem wir unter anderem Samsung oder die innovativste Kosmetikbranche der Welt verdanken. Doch hinter der modernen Fassade lauert die Tradition, wenn wir Han Kang glauben dürfen.

Ihre Portagonistin Yeong-hye ist eine junge Frau, die seit fünf Jahren verheiratet ist. Wie es sich gehört, hat sie nicht aus Liebe geheiratet und sie geht nicht arbeiten. Ihr Job ist es, ihren Mann zu bekochen und zu bedienen. Unauffälligkeit und Durchschnittlichkeit sind ihrem Mann besonders wichtig. Alles andere würde eine zu große Herausforderung an ihn darstellen.

Eines Tages hat Yeong-hye einen Traum und stellt daraufhin ihre Ernährung um. Sie wird Vegetarierin. Ihr Mann und ihre Familie empfindet das als Rebellion, als Aufstand gegen das Normale. Sie macht sich und damit die ganze Familie sichtbar in den Augen der Gesellschaft und bringt somit Schande über sie.

Wer hält zu ihr? Was will sie eigentlich wirklich? Geht es hier überhaupt um die Rolle von Mann und Frau, Tradition und Moderne? Oder geht es schlicht um Selbstbestimmung bis hin zum Thema Tod? Wer ist verrückt und wer normal? Ist es wirklich eine südkoreanische oder nicht doch eine universelle Geschichte, die uns die Autorin hier erzählt?

Nicht auf alle diese Fragen habe ich nach dem Zusammenklappen des Buches eine Antwort parat. Manche Passagen lassen mich sogar ratlos zurück, sodass das Werk noch lange in mir nachhallt. Was will man mehr von einem Buch?

Aufbau Verlag 9783351036539

Getagged mit: ,
Veröffentlicht unter Belletristik, Südkorea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Folgen Sie Ruth liest