Heinz Helle: Eigentlich müssten wir tanzen

Fünf junge Männer, Freunde seit Kindertagen, verbringen ein paar Tage auf einer Berghütte. Schon nach kurzer Zeit sind die Kindheits- und Jugenderinnerungen ausgetauscht und Langeweile macht sich breit. Wie gut, dass die freie Zeit endet und sich alle auf den Weg zurück in den Alltag machen können.

Doch bevor Drygalski, Gruber, Fürst, Golde und der Ich-Erzähler die Hütte abschließen, entdecken sie riesige Rauchschwaden über dem Dorf am Fuße ihrer Berghütte. Und natürlich machen sie sich gleich auf den Weg, um zu sehen, was passiert ist.

Das Dorf ist völlig zerstört. Verwüstung, Brandgeruch, Leichen und essbare Reste im zerstörten Supermarkt ist alles, was sie finden. Bis zum Schluss des kurzen Romans "Eigentlich müssten wir tanzen" von Heinz Helle, finden sie keine Antwort auf die Frage, was diese flächendeckende Katastrophe ausgelöst hat. Wo immer die Männer hinkommen, bietet sich ihnen überall das gleiche Bild der Zerstörung.

Nun mag die Romanidee - von der Zivilisation verwöhnte Menschen finden sich über Nacht in der Apokalypse wieder - nicht neu sein. Aber wie der Autor diese Geschichte dramaturgisch und sprachlich in Szene setzt, ist berauschend.

Und ganz nebenbei erinnern einen die aktuellen Bilder von Flüchtlingen in Europa, auch daran, wie realistisch die Vision untergegangener Zivilisationen inzwischen für viele Bewohner des Planeten Erde geworden ist.

Ein weiterer starker Titel in der Reihe der Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2015.

Suhrkamp Verlag Berlin, ISBN 9783518424933

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland

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