Helga Flatland: Eine moderne Familie

Der Inbegriff einer wohlsituierten und entspannten norwegischen Familie steht im Mittelpunkt des Romans „Eine moderne Familie“ von Helga Flatland. Doch hinter der Fassade bröckelt der Familienzusammenhalt. Wie die Autorin das Bröckeln, Knirschen und Knarzen beschreibt, ist lesenswert.

Zu Ehren des 70. Geburtstags ihres Vaters reisen Liv, Ellen und Håkan mit ihren Partnern und Kindern nach Italien. Ein rauschendes Fest soll es werden. Doch mitten drin platzen die Eltern mit der Nachricht heraus, sich auseinandergelebt zu haben und sich scheiden lassen zu wollen.

Die „Kinder“, selbst in den Dreißgern und Vierzigern, sind entsetzt. Die Geborgenheit im Elternhaus und die Nähe, die sie auch als Erwachsene immer gespürt haben, soll das alles auf einer Lüge basieren? Wem kann man noch trauen? Wie steht es um die eigenen Partnerschaften?

Jedes Mitglied der Familie gerät in eine existentielle Sinnkrise. Diese wird noch verschärft, weil sie sich untereinander nicht mehr ihren Kummer anvertrauen. Zudem hinterfragen die Geschwister ihre Rollen in der Familie. Es dauert Jahre, bis sich alle wieder als Familie begreifen und erleben können.

Das schmale Bändchen klingt schmerzhaft nach, insbesondere bei Lesern, die eigene Trennungserfahrungen mitbringen.

Weidle Verlag ISBN 9873938803936

Hinweis: Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! Die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars hat keinerlei Einfluss auf meine Rezension.

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