Herman Kesten: Die fremden Götter

"So verschließen sie ihre Herzen, ihre Türen, ihre Länder voreinander, und wenn es zu spät ist, reut es sie." So lautet mein Schlüsselsatz aus Herman Kestens Roman "Die fremden Götter".

Der Roman erschien bereits 1949 im berühmten Querido Verlag in Amsterdam, der so vielen Exilanten des Dritten Reiches eine Verlagsheimat geworden war. Herman Kesten schaffte es 1940 über einige Umwege in die USA. Nach der Kapitulation des Dritten Reiches hatte er in den Nachkriegsjahren eine sehr produktive Phase, in der unter anderem der vorliegende Roman entstand.

"Die fremden Götter" spielt in den Nachkriegsjahren in Südfrankreich. Wie ein Wunder hat die gesamte Familie Schott - Vater, Mutter und die beiden Töchter - die Judenverfolgung überlebt und sich wiedergefunden. Eine glückliche Familie könnte man meinen. Doch die unterschiedlichen Erfahrungen und daraus entstandenen seelischen Verletzungen der einzelnen Familienmitglieder erzeugen einen tiefen Graben zischen den Kindern und Eltern.

Während die Eltern durch die Hölle der KZs gingen, wurden die Töchter in einem römisch-katholischen Kloster versteckt. Die Nonnen und zunehmend der Glauben der Nonnen boten den beiden Mädchen einen Schutz, den sie auch nach der Rückkehr der Eltern und dem Verlassen des Klosters nicht missen wollen. Der katholische Glaube und die Ausübung der Religion gewinnt vor allem für Tochter Luise nach dem Tod ihrer Schwester immer mehr Bedeutung. Gleichzeitig hat der Vater durch seine schrecklichen Erlebnisse das Bedürfnis, die jüdische Religion nicht nur selber auszuüben, sondern seine ganze Familie im festen jüdischen Glauben zu binden.

Sehr mitfühlend erzählt Herman Kesten die Tragödie, die sich aus den unterschiedlichen Lebens- und Gottesansichten entspinnt.

Das ist berührend zu lesen, allerdings driftet die Sprache zuweilen ins Kitschige ab.

Nimbus ISBN 9783038500452

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Veröffentlicht unter Belletristik, Deutschland
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