Hisham Matar: Die Rückkehr

Der aus Libyen stammende Schriftsteller Hisham Matar hat mich 2011 mit seinem Roman "Geschichte eines Verschwindens“ in den Bann geschlagen. Sein aktuelles Werk "Die Rückkehr“ knüpft an diesen Roman oder besser an das lebenslange Trauma von Hisham Mater und seiner Familie an.

Sein Vater, ein politischer Gegner Gaddafis, wurde 1990 mit Hilfe des ägyptischen Regimes von Gaddafis Geheimdienst aus seinem Kairoer Exil nach Libyen entführt. Bis 1996 erhielten die Angehörigen drei aus dem Gefängnis geschmuggelte Briefe des Vaters. Seit 1996 wird die Familie mit gegenläufigen Gerüchten über den Zustand und den Aufenthaltsort des Vaters konfrontiert. 

Eine solche Geschichte ist leider symptomatisch für Diktaturen. Aber die Opfer erhalten selten ein Gehör. Doch Hisham Matar, der seit Jahrzehnten in Großbritannien lebt und einen britischen Pass besitzt, ist ein angesehener Schriftsteller. Er machte sich jahrzehntelang bis zu den politischen Spitzeninstitutionen in UK lautstark für seinen Vater und die Aufklärung des Verbrechens an ihm stark.

Eindrücklich schildert Hisham Matar in seinem Buch "Die Rückkehr" mit dem Untertitel "Auf der Suche nach meinem verlorenen Vater“ diesen lebenslangen Kampf um Klarheit und Gerechtigkeit. Doch mit der Rückkehr im Jahr 2012, dem erstmaligen Besuch Libyens seit Kindertagen, wird immer deutlicher, dass das Schicksal des Vaters nicht mehr geklärt werden kann.

Noch viel erschreckender ist Matars Erkenntnis, dass es nie im Interesse Großbritanniens oder Ägyptens lag, Gerechtigkeit für die Opfer der libyschen Diktatur zu erlangen. Im Gegenteil: Beide Regierungen unterstützten aus politischem Kalkül Gaddafi und seine Mörderbande.

"Die Rückkehr“ liest sich wie ein Krimi. Eine bedrückende Lektüre, da es sich nicht um eine Fiktion, sondern um unsere bittere politische Realität handelt.

Luchterhand ISBN 9783630874227

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Veröffentlicht unter Belletristik, Libyen

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